Dormagen: JU-Chef: "Ich will Berufspolitiker werden!"

Dormagen : JU-Chef: "Ich will Berufspolitiker werden!"

Seit Herbst führt Paul Cannata (18) die Junge Union. Der Schüler des Norbert-Gymnasiums sieht sie als "kritische Stimme" innerhalb der CDU. Vor allem mehr und bessere Treffpunkte für die Jugend nennt er als Anliegen der JU.

Paul Cannata entspricht nicht gerade dem Bild, das so manche Nachwuchspolitiker vor allem aus dem christdemokratischen Lager abgeben. Gerade volljährig geworden, geben sie mit Anzug und Krawatte in gestelzten Worten ihre Sicht der Dinge zum Besten. Cannata gehört ohne Zweifel nicht in diese Kategorie, obwohl er ein klares Berufsziel formuliert: "Ich will Politiker werden!"

Auf der Karriereleiter hat er den ersten Schritt geschafft, seit Herbst ist der 18-Jährige neuer Vorsitzender der Jungen Union. Dass der junge Mann kein Typ von der Stange ist, belegt auch seine holprige Schullaufbahn. Als Kind besuchte er mit der Regenbogenschule und der Schule am Tannenbusch zwei Grundschulen. Danach wechselte er für drei Jahre an die Bertha-von-Suttner-Schule, verließ die Gesamtschule aber vorzeitig und ging an die Realschule Hackenbroich. Als persönliches Scheitern oder Knick sieht er dies nicht, sondern: "Ich hatte einige Probleme mit mir und einigen Lehrern", erzählt er. "Aber das ist nicht schlimm. Im Gegenteil: Dort hat als Schülersprecher meine politische ,Karriere' begonnen." An der Realschule habe er viele Menschen und verschiedene Kulturen kennengelernt. "Dort hat man sich stark um mich gekümmert. Ich bin sehr froh, dass diese Schule erhalten bleibt." Heute ist Cannata am Norbert-Gymnasium, womit für ihn ein Traum in Erfüllung ging, "eine geschützte Insel", wie er findet. Auch dort war er Schülersprecher.

Nach dem Abitur im Frühjahr möchte Cannata, der in Düsseldorf geboren, aber in Rheinfeld aufgewachsen ist, ein freiwilliges, politisches Jahr absolvieren. "Am liebsten in der CDU-Landtagsfraktion. Aber die bietet so etwas, im Unterschied zur SPD, bislang nicht an." Der eloquente 18-Jährige kann sich auch ein duales Studium Internationales Business, beispielsweise bei Adidas, vorstellen. Wenn es bei ihm mal nicht um Politik geht, dann zum Beispiel um Fußball. Dem FC Bayern gehört seine Leidenschaft. "Schon immer", versichert er. Zu dieser Liebe gehören auch eine 26-stündige Busfahrt nach Madrid oder das Schulschwänzen für den Besuch eines Champion-League-Spiels. Selbst kickt Cannata in der A-Jugend des TSV Bayer Dormagen.

Als Vorsitzender der Jungen Union sieht er sich und seine Mitstreiter als "kritische Stimme" innerhalb der Dormagener Christdemokraten, "aber wir sind auch eine Partei. Kritik darf kein Selbstzweck sein". Die JU hat sich verschiedene Themen vorgenommen, um die sie sich kümmern will. Eines sind die Verkehrsverbindungen und die Tarifgebiete des VRR und VRS, die gerade für Jugendliche zu großem Ärgernis führen, wenn sie von Dormagen nach Neuss oder Düsseldorf fahren. Sehr unbefriedigend ist, sagt Cannata, dass Jugendliche kaum mehr Treffpunkte finden, wo nun auch das "Limit" an der Kö geschlossen hat. "Man muss die Jugendlichen einbeziehen und fragen, welche Vorstellungen sie haben. Weiter entwickelt werden soll auch der virtuelle Campus als Internetportal.

(NGZ)