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Interview zur Teilung der evangelischen Kirchengemeinde Norf-Nievenheim

Interview mit Pfarrerin Daniela Meyer-Claus : „Gemeindeglieder mit ins Boot holen“

Pfarrerin Daniela Meyer-Claus spricht im Interview über die Teilung der evangelischen Kirchengemeinde Norf-Nievenheim. Die bereitet ihr eine Menge Arbeit, ab 1. Januar 2021 wird sie vollzogen.

Frau Meyer-Claus, ab Januar wird die Teilung der Gemeinde umgesetzt – vorbehaltlich der Zustimmung der Bezirksregierung. Ist das denn ein richtiger Schritt aus Ihrer Sicht?

Daniela Meyer-Claus Eine Teilung ist immer schmerzhaft. Ich bin seit 18 Jahren Pfarrerin hier, habe in allen drei Bezirken gepredigt. Der Austausch untereinander wird mir fehlen. Aber ja, wir waren an einem Punkt angelangt, an dem die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft schwierig wurde. Zum einen durch die Anbindung an zwei verschiedene Städte und die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen kommunalen Gremien. Dazu kommt, dass der Kirchenkreis Gladbach-Neuss bis 2030 eine neue Pfarrstellenkonzeption vorlegen wird, die durch sinkende Kirchensteuermittel, Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel nötig wird. Die Kirchengemeinden in Neuss werden unter dem Label „Evangelisch in Neuss“ noch enger zusammenarbeiten. Wir hier aber sind „Evangelisch in Dormagen“. Unsere Konfirmanden und ihre Familien sind schon durch die Schule, die die Kinder besuchen, meist mehr nach Dormagen orientiert.

In welchen Bereichen der Gemeindearbeit wirkt sich die Trennung aus?

Meyer-Claus Im Bereich der Kirchenmusik, die bezirksübergreifend organisiert war, und in einigen Bereichen meiner pfarramtlichen Tätigkeit. Die Jugendarbeit in Nievenheim zum Beispiel bleibt unverändert. Sie wird weiter zu 50 Prozent von der Stadt Dormagen finanziert. Als Gemeinde im Dormagener Stadtgebiet sind wir seit jeher im Schulausschuss und im Jugendhilfeausschuss vertreten. Auch für die Gemeindearbeit vor Ort ändert sich nichts – die Angebote im Katharina-von-Bora-Haus und in der Kirche bleiben bestehen. Unsere zwei Kindertagesstätten hier in Nievenheim haben wir zuvor schon in Trägerschaft der Diakonie übergeben, da ändert sich nichts.

Was kommt denn jetzt auf Sie genau zu?

Meyer-Claus Es wird schwieriger, weil ich jetzt eine Einzelpfarrstelle habe und über 3000 Gemeindeglieder alleine betreue. Wir müssen einen eigenen Gemeindebrief auf die Beine stellen, wir brauchen eine Internetseite, wir müssen uns neu finden... Es hilft mir, dass ich viel Unterstützung in der Gemeinde habe (lacht). Und ich lerne, dass nicht alles perfekt sein muss ab 1. Januar. Wir gehen in kleinen Schritten. Und wer Lust hat, mitzutun, ist herzlich eingeladen. Wir suchen Presbyter und Ehrenamtliche, die den Prozess der Neuwerdung der Gemeinde mitgestalten.

Gibt es Pläne, was sich in der neuen Gemeinde verändern soll?

Meyer-Claus Wir stehen ja erst ganz am Anfang. So eine Teilung ist auch die Chance, zur Ruhe zu kommen und zu reflektieren: Was wollen wir bewahren, was soll sich ändern? Ich möchte die Gemeindeglieder ins Boot holen, um das gemeinsam zu erarbeiten. Es wird sich zeigen, wie es weitergeht. In jedem Fall ist unsere Entwicklung außergewöhnlich, denn es werden ja an vielen Orten Gemeinden eher zusammengelegt, als dass neue, kleinere entstehen.