Interview: Pfarrerin Daniela Meyer-Claus über die Kirche in Dormagen

Interview mit Pfarrerin Daniela Meyer-Claus : „Wir profitieren von Neubaugebieten“

Die 52 Jahre alte evangelische Pfarrerin leitet die Gemeinde Norf-Nievenheim über die Stadtgrenze hinaus.

Pfarrerin Meyer-Claus, Ihre evangelische Kirchengemeinde Norf-Nievenheim befindet sich gerade in einer Zeit des Umbruchs. Wie sieht die personelle Situation aus?

Daniela Meyer-Claus Leider sind nach dem Weggang von Pfarrerin Claudia Wochnik und dem kommenden Weggang von Pfarrer Ralf Düchting zwei Pfarrerstellen in unserer Gemeinde vakant. Zum Glück haben wir ein gutes Team an Mitarbeitenden und bekommen auch personelle Hilfe: So ist uns Pfarrerin Karin Oehlmann zugewiesen worden, die in Gohr wohnt und bisher in Neuss tätig war, mit Schwerpunkt in Rosellen und der Diplom-Theologe Thorsten Schmidt, der zum Beispiel den Konfirmanden-Unterricht übernehmen wird. Er hat seinen Schwerpunkt in Norf. Ich selbst bin in Nievenheim verwurzelt.

Zwei weitere Stellen konnten vor Kurzem besetzt werden. Wie haben sich der neue Kantor und die neue Jugendleiterin in der Gemeinde eingearbeitet?

Meyer-Claus Beide sind eine echte Bereicherung für unsere Kirchengemeinde. Zusammen mit unserer vor gut einem Jahren neu eingestellten Küsterin konnten wir alle vakanten Stellen erfreulicherweise wieder besetzen und sind im Bereich der Mitarbeitenden wieder gut aufgestellt und können viele Angebote wieder aufnehmen. Der neue Kantor führt die Kinder- und Jugendchorarbeit fort und hat eine Kantorei gegründet, die in unserem Bezirk Norf probt. Auch das Orgelspiel und die Konzerte sind qualitativ hochwertig, so dass sich der Kirchenbesuch auch musikalisch sehr lohnt.

Am 1. März nächsten Jahres stehen die Presbyteriumswahlen in Ihrer Gemeinde an. Gibt es denn genügend Kandidaten?

Meyer-Claus Für den Bezirk Nievenheim konnten wir drei Kandidaten und zwei Kandidatinnen gewinnen. Für die Bezirke Norf und Rosellen benötigen wir noch evangelische Gemeindeglieder, die diese verantwortliche Aufgabe, die Kirche in die Zukunft zu führen, übernehmen möchten.

Welche Voraussetzungen müssen Kandidaten erfüllen?

Meyer-Claus Sie müssen eine Affinität zur Gemeindearbeit haben, ein Herz für die Kirche und vor allem müssen sie mitgestalten wollen. Die Schwerpunkte und nützlichen Fähigkeiten sind sehr vielfältig, Teamgeist und soziales sowie christliches Engagement sind wünschenswert. Natürlich gibt es Fortbildungsmöglichkeiten, um die ehrenamtliche Gemeindeleitung übernehmen zu können. Wer sich für diese Bereiche interessiert, kann sich gern an mich wenden.

Viele Gemeinden leiden unter Mitgliederschwund, gerade Jüngere bleiben fern. Wie sieht das bei Ihnen in Nievenheim aus?

Meyer-Claus Da erleben wir gerade einen sehr guten Zulauf, auch durch das Neubaugebiet Nievenheim IV. Wir haben viele neue Mitglieder, die sich trauen oder ihre Kinder taufen lassen. Jungen Familien und anderen Zugezogenen wollen wir eine Heimat bieten. 

Ist das ein genereller Trend?

Meyer-Claus Ich glaube schon, dass die religiöse Identität wieder mehr eine Rolle spielt und kirchliche Angebote deshalb wieder besser angenommen werden. Ich erlebe, dass in vielen Familien die christliche Wertevermittlung und der Glaube wieder eine größere Rolle spielt. Es kommen in der ganzen Gemeinde nun wieder vermehrt Kinder zu uns, nehmen unsere Angebote an. Dazu trägt natürlich auch unsere neue Jugendleiterin bei. In Nievenheim haben wir darüber hinaus sehr engagierte evangelische Religionslehrerinnen an den Grundschulen, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten, ebenso wie mit den Erzieherinnen unserer Kindertagesstätten. So sind gerade unsere Kinder- und Krabbelgottesdienste ganz gut besucht.

Wie äußert sich der Zulauf noch?

Meyer-Claus Wir merken, dass ein großer Bedarf an Kinder- und Jugendbetreuung in Nievenheim herrscht. Da bieten wir mit unseren Angeboten die Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche qualifiziert betreut werden und in unseren Räumen entweder frei spielen oder aber kreativ tätig werden können. Die Jugendlichen können chillen, flippern, kickern oder Gespräche führen. Ich freue mich, dass das Katharina-von-Bora-Haus so gut angenommen wird.

Sind vor allem Kinder und Jugendliche im Gemeindehaus? Oder gibt es noch andere Zielgruppen?

Meyer-Claus Nein, wir haben eine sehr gute Mischung. Wir bieten auch vieles für Senioren an: Von Computerkursen über Stuhlgymnastik bis zu Sturzprophylaxe. Wir haben ein gutes Miteinander von Jung und Alt. Das zeigt sich auch daran, dass die Kinder schon fragen, ob sie an St. Martin für die Senioren beim Frühstück singen dürfen.

Die Kindertagesstätten des Vereins NoNi wurden jetzt ans Diakonische Werk übertragen. Was halten Sie von den Plänen für einen Kita-Neubau auf der Wiese neben der Kreuzkirche?

Meyer-Claus Das fände ich wunderbar. Dann wären Kirche und Kita noch näher zusammen. Die Fusion des Diakonischen Werkes haben wir erfolgreich abgeschlossen, die Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden läuft gut, so dass wir unsere Kindertagesstätten hier gut aufgehoben wissen.

Ist es schwierig, in einer Gemeinde über die Stadtgrenze hinaus tätig zu sein?

Meyer-Claus (lacht) Ich kenne das aus meiner Heimatgemeinde Monheim nicht anders. Da die Gemeinde aber ja mehrere Pfarrstellen, hauptamtlich Mitarbeitende in allen Bezirken sowie ein Gesamtpresbyterium hat, verteilt sich die Arbeit. Bei Bezuschussung oder anderen behördlichen Vorgängen ist es natürlich schwieriger, mit Neuss und Dormagen auf zwei Städte mit unterschiedlichen Entscheidungen angewiesen zu sein. Auch sitzen wir dadurch in mehr Gremien – in jeder der beiden Städte. Wir kooperieren aber gut mit den anderen Dormagener und Neusser Gemeinden. Unser Kirchenkreis Gladbach-Neuss befindet sich gerade in einem Prozess, in dem Kooperationsräume und engere Zusammenarbeit von Gemeinden eine noch größere Rolle spielen werden.

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