Interview mit Dormagens Klimaschutzmanagerin Lena van der Kamp

Interview : „Klimaschutz kann auch Spaß machen“

Dormagens Klimaschutzmanagerin Lena van der Kamp will umweltbewusstes Verhalten positiv besetzen und weitere Projekte voranbringen.

Frau van der Kamp, Sie sind seit gut einem Dreivierteljahr als Klimaschutzmanagerin in Dormagen tätig. Womit haben Sie sich bisher vor allem beschäftigt?

Lena van der Kamp Zum Beispiel mit dem Energiequartier Horrem. Das ist ein großes Projekt, das wir nach einigem Vorlauf im Juli auch öffentlich gestartet haben und das zunächst drei Jahre laufen soll. Es geht um kostenlose Beratung zur Sanierung von Altbauten. Wir werden dabei von dem externen Anbieter Innovation City unterstützt, der im Ruhrgebiet bereits Erfolge erzielt hat. Wer seinen Altbau sanieren möchte, kann sich über das Projekt informieren, auch darüber, wie man an Fördermittel kommt. Um die Klimaschutzziele für Gebäude 2050 erreichen zu können, müssten jährlich drei Prozent der Altbauten saniert werden.

Was gehört sonst noch zu diesem Projekt?

van der Kamp Themenabende. Der erste zur Photovoltaik ist sehr gut angenommen worden. Rund 35 Leute sind dazu ins Haus für Horrem gekommen. Außer Innovation City sind die Energieversorgung Dormagen, die Baugenossenschaft Dormagen und die Verbraucherzentrale unsere Partner beim Energiequartier Horrem.

Von ihrem Vorgänger Dennis Fels haben Sie das Stadtradeln übernommen, bei dem Dormagen stets hervorragend abschneidet...

van der Kamp Ja, und in diesem Jahr haben wir die Teilnehmerzahlen nochmal gesteigert, auf 1611 Bürger, die mitgemacht haben. Ich würde trotzdem gerne im nächsten Jahr noch mehr Programm anbieten und vor Beginn der Aktion für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Was ist mit dem European Energy Award, bei dem Kommunen auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz unterstützt werden?

van der Kamp Dieses Programm ist leider Ende September ausgelaufen, und das wird es auch in Dormagen vorerst nicht mehr geben. Aber die dabei angestoßenen Maßnahmen laufen selbstverständlich weiter – zum Beispiel die Schulung der Hausmeister von öffentlichen Gebäuden in puncto Heizung und Energiesparen. Es gibt auch etwas Neues: Das Programm „Global nachhaltige Kommune“.

Worum geht es da?

van der Kamp Darum, eine Nachhaltigkeitsstrategie für Dormagen zu entwickeln, konkrete Maßnahmen und Ziele zu erarbeiten und umzusetzen – und zwar auch in Bereichen wie Soziales und Wirtschaft.

Wie funktioniert das?

van der Kamp Ein externer Berater schaut sich an, was wir schon machen, etwa den Sauberhafttag und das Konzept zur E-Mobilität in der Verwaltung, und analysiert unsere Stärken und Schwächen. Auf dieser Basis wählen wir gezielt einige Themen aus, auf die wir uns besonders konzentrieren möchten.

Ein Beispiel?

van der Kamp Ich könnte mir vorstellen, dass bis zum Jahr 2025 die Hälfte aller Dormagener Schulen Fair-Trade-Schulen sind, die sich für fairen Handel einsetzen.

Glauben Sie, dass die zuletzt stark entfachte Debatte über Klimaschutz und Bewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion Ihre Arbeit künftig beeinflussen werden?

van der Kamp Ich gehe stark davon aus, denn das Thema ist wichtig und betrifft uns alle.

Wie ist die Resonanz aus der Bevölkerung auf Ihr Tätigkeitsfeld?

van der Kamp Ich bin noch dabei herauszufinden, wie die Bürger diese Themen wahrnehmen. Ich glaube aber, dass es sehr viele Interessierte in Dormagen gibt. Ein Beleg dafür sind die vielen Vorschläge zum Nachhaltigkeitsbereich, die an mich herangetragen werden. Beim „Tag der Offenen Tür“ der Stadt Ende September hatten wir ein Plakat mit der Frage „Was bedeutet Klimaschutz für Sie?“ aufgehängt, das war hinterher vollgeschrieben mit Ideen. Und als am 20. September zum globalen Klimastreik aufgerufen wurde, kamen einige Anfragen, ob es dazu nicht auch eine Veranstaltung in Dormagen gibt. Dazu aber müsste sich eine Gruppe organisieren. Als Klimaschutzmanagerin kann ich das nicht initiieren, weil ich mich politisch neutral verhalten muss.

Wie wichtig ist bei Ihren Aufgaben das Netzwerken?

van der Kamp Sehr wichtig. Ich bin zum Beispiel mit Jobst Wierich vom Chempark-Betreiber Currenta im Gespräch. Interessant war auch die Teilnahme am Leitungstreffen der Kindertagesstätten, die sich mit „Klimakita“, einem Nachhaltigkeitsprojekt der Energieagentur NRW, beschäftigen. Kontakt habe ich außerdem zu drei Grundschulen, die unter dem Titel „Kindermeilen“ die Schüler animieren, umweltfreundlich zum Unterricht zu kommen, also zum Beispiel zu Fuß oder mit dem Bus. Die Regenbogenschule in Rheinfeld hatte mich eingeladen, um mit mir ein selbst gedichtetes Lied zum Klimaschutz zu singen. Überhaupt kann man über die örtlichen Schulen viele erreichen, ebenso über Arbeitskreise wie den zum Insektenschutz. Und die Lokale Allianz widmet sich zu ihrem zehnjährigen Bestehen 2020 mit tollen Aktionen auch dem Klima- und Umweltschutz.

Wie helfen Sie konkret?

van der Kamp Grundsätzlich können wir als Stadt Anreize setzen, informieren und motivieren. Ich versuche, die städtische Internetseite zum Klimaschutz sehr aktuell zu halten (www.dormagen.de, dann weiter über „Leben in Dormagen“, „Klima- und Umweltschutz“ und „Klimaschutz“). Aber letztendlich müssen die Leute selbst aktiv werden und Maßnahmen umsetzen. Mir ist es wichtig, das Thema positiv zu besetzen und nicht auf „Verzicht“ und „Kosten“ zu reduzieren. Ich finde es sinnvoll, kleine persönliche Ziele anzuregen, vielleicht mehr Fahrrad zu fahren und Ähnliches. Auf jeden Fall sollten die Bürger beim Klimaschutz auch Spaß empfinden. In dem Zusammenhang würde ich gerne einen Nachhaltigkeitsstammtisch für Gleichgesinnte initiieren, bei dem sich die Teilnehmer austauschen und vielleicht zu gemeinsamen Projekten finden können.

Zum Schluss eine persönliche Frage. Was tun Sie in Ihrem privaten Umfeld für den Klimaschutz?

van der Kamp Ich fahre kein Auto, sondern nutze öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad, kaufe Lebensmittel saisonal und regional und achte beim Kleidungskauf darauf, dass die Textilien nachhaltig und zu fairen Bedingungen hergestellt wurden. Dann bin ich auch bereit, etwas mehr zu bezahlen.