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Dormagen: Intensivtäter auf Roter Couch

Dormagen : Intensivtäter auf Roter Couch

Der Künstler Horst Wackerbarth, der Namensgeber der neuen Raphaelshaus-Gruppe, hat die drei nicht geflohenen Intensivtäter im Gefängnis in Iserlohn besucht. Dort erarbeitete er mit ihnen sein Rote-Couch-Projekt.

Abgehauen sind drei andere jugendliche Straftäter aus dem Raphaelshaus, einer ist noch auf der Flucht. Aber die drei verbliebenen Jungen fühlen sich bestraft, da sie mit dem vorläufigen Stopps des Modellprojektes am 28. September aus dem Raphaelshaus in die Justizvollzugsanstalt (JVA) nach Iserlohn verlegt worden sind. Heute wollen sich die rechtspolitischen Sprecher der Parteien im Landtag treffen, um über die Fortführung des Projektes zu beraten. "Die Jugendlichen waren bestürzt, verzweifelt und sehr deprimiert, als sie erfuhren, dass sie auf Geheiß des Ministeriums in die JVA Iserlohn verlegt werden", berichtet Raphaelshaus-Direktor Hans Scholten.

Jetzt besuchte der Namensgeber der im August gestarteten Gruppe, der renommierte Düsseldorfer Künstler Horst Wackerbarth, die drei Intensivtäter im Gefängnis in Iserlohn, wo sie von Pädagogen aus Dormagen mitbetreut werden. Zwei Jugendliche waren bereit, sich auf der Roten Couch einem Videointerview von Horst Wackerbarth zu stellen. Beim dritten war das Lampenfieber wohl zu groß, wie das Raphaelshaus mitteilte.

Mit einem 15 Jahre alten Straftäter aus dem Ruhrgebiet sprach Wackerbarth auch über glückliche Momente, wenn seine Eltern ihn in der JVA besuchen, die der Jugendliche als den "im Gegensatz zu den anderen Knästen auf jeden Fall schönsten" bezeichnete. Wegen mehrfacher Einbrüche kam der 15-Jährige am 19. April in Untersuchungshaft, insgesamt wurde er zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Davon hat er sieben Monate abgesessen.

"Im Gegensatz zu Iserlohn ist das Raphaelshaus eine komplett andere Welt. Ich finde, das kann man gar nicht miteinander vergleichen. Da hat man auf jeden Fall eine gute Chance, sich weiterzuentwickeln und sein Leben anders zu gestalten. Da wird sich auch mehr um einen gekümmert", erklärt der 15-Jährige, der betont, dass es zunächst für ihn, der aus der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf kam, nicht leicht war in Dormagen. "Am Anfang war es schwierig, mich an den ganzen Ablauf mit den Regeln und dem kompletten Konzept zu gewöhnen, aber nach der Zeit war es super." Jetzt habe er bemerkt, dass er im Gefängnis wieder ein Stück zurückgefallen sei: "Die Fortschritte, die man gemacht hat, gehen wieder weg." Trotz der strengen Regeln und Erziehungsmethoden im Raphaelshaus möchte er das Modellprojekt dort fortsetzen: "Man kriegt seine Fehler aufgezeigt, nicht so wie im Knast, wo einem einfach der Strom ausgemacht wird. Da wird einem vernünftig erklärt, was das Problem ist und was daran falsch war."

Wie der junge Straftäter erläutert, möchte er einen "vernünftigen Beruf erlernen", aber das Wichtigste sei "die Familie, die hinter mir steht". Den Pädagogen aus dem Raphaelshaus ist er dankbar. "Außer meiner Familie hat sich kein Mensch so stark für mich eingesetzt." Was er ihnen hoch anrechnet: "Sie versuchen zu zeigen, dass da keine Schwerverbrecher sind, sondern drei Jugendliche, die Scheiße gebaut haben."

(NGZ/rl/url)