Insektenhilfe in Dormagen: Seltener Grashüpfer liebt den Wahler Berg

Insektenhilfe in Dormagen : Seltener Grashüpfer liebt den Wahler Berg

Landschaftspflege dient auch dem Schutz von Insekten. Daher beauftragt der Kreis seit vielen Jahren die Beweidung am Wahler Berg, die von der Biologischen Station fachlich begleitet und gesteuert wird. Sogar ein von Aussterben bedrohtes Insekt lebt dort.

(NGZ) Schafe spielen als genügsame, „lebende Rasenmäher“ eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege, sagt Michael Stevens, Diplom-Biologe bei der Biologischen Station – Haus der Natur im Rhein-Kreis Neuss mit Sitz in Knechtsteden. Daher beauftragt der Kreis (Landschaftsplanung) seit vielen Jahren die Beweidung am Wahler Berg, die von der Biologischen Station fachlich begleitet und gesteuert wird.

Auf diese Weise können die Lebensgemeinschaften der Binnendünen und Heideflächen erhalten bleiben. Sie bieten auch den Lebensraum für seltene Insekten. Sogar ein von Aussterben bedrohtes Insekt lebt am Wahler Berg: der Rotleibige Grashüpfer. Dieser unscheinbar braune Grashüpfer ist trockenheitsliebend und bevorzugt offene Sandflächen. Er lebt in Heiden, Steinbrüchen und Trockenrasen, Binnendünen. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es nur rund eine Handvoll Fundorte. Einer davon in der Wahler Berg.

Als Bestandteile traditioneller Nutzungsformen in der Landschaft sind heute noch vorhandene Elemente der historischen Kulturlandschaft wichtige Zeugnisse menschlicher Geschichte. Neben ihrer Bedeutung als Kulturgut besitzen verschiedene Landschaftselemente wie beispielsweise Heideflächen, Obstwiesen, Kopfbäume oder Niederwälder als Kulturbiotope auch eine hohe Bedeutung im Naturschutz. Oftmals haben solche Kulturbiotope eine hohe Artenvielfalt, weshalb hier der Biotop- und Artenschutz im Vordergrund steht.

Der Rhein-Kreis Neuss gehört wegen seiner klimatischen Begünstigung und seiner fruchtbaren Böden zu den vom Menschen früh besiedelten Gebieten. Eine Besiedlung ist seit der Mittelsteinzeit belegt. Dem entsprechend vielfältig sind die Zeugnisse und Hinterlassenschaften des Menschen, wozu auch Kulturbiotope und deren Relikte zählen. „Der naturschutzfachliche Wert und die Wiederherstellung von Kulturbiotopen ist ein Arbeitsgebiet des Hauses der Natur“, erklärt Michael Stevens.

Am Wahler Berg finden sich solche wertvollen Kulturbiotope, nämlich Binnen-Dünen und Heideflächen. Diese Lebensräume können nur durch eine Beweidung mit Schafen und Ziegen erhalten werden. Sträucher und Gehölze werden verbissen und dadurch bleiben wertvolle Lebensräume erhalten, denn von Natur aus würde sich auch auf den Dünen- und Heide-Standorten mit der Zeit Wald entwickeln.

(ssc)
Mehr von RP ONLINE