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Innovatives Wohnprojekt in Dormagen

Wohnprojekt in Dormagen : Mehr als nur Nachbarn

In generationenübergreifenden Projekten leben Jung und Alt zusammen – und jeder bringt sich ein, von der Planung bis zum Zusammenleben. „NaWoDo“ in Nievenheim zeigt, wie das funktioniert.

Johannes Thönneßen ist überzeugt: „Jung und Alt unter einem Dach – das schafft eine besondere Lebensqualität für alle.“ Er lebt gemeinsam mit 39 Erwachsenen und 16 Kindern in 23 Parteien in Dormagens Vorreiterprojekt „NaWoDo“ am Latoursgarten am Eimngang des neuen Wohngebiets Nievenheim IV. Gegründet wurde das Projekt von Hans Schürmann, der die Umsetzung vorangetrieben, letztlich aber nicht mit eingezogen ist. „Er hatte die Vision einer Art Hofanlage, ist losgezogen und hat Mitstreiter gesucht“, so Thönneßen – und gefunden. „Das Konzept, dass Menschen aus unterschiedlichen Generationen und verschiedenen Lebensmodellen zusammenleben, bunte Feste feiern und sich gegenseitig unterstützen, finde ich toll. Ich wollte auch hier wohnen. Denn ich hatte schon früher die Idee, nicht in einem Einfamilienhaus mit viel zu viel Platz zu leben.“

Das ging Bernward Abraham genauso. Der 85-Jährige ist ebenfalls einer der Mitbegründer des Projekts und der älteste Bewohner. „Im November 2011 wurde durch die Seniorenbeauftragte der Stadt Dormagen ein Vortrag über nachbarschaftliches Wohnen gehalten. Unter den Zuhörern gab es eine Handvoll Interessierte – darunter ich.“ Schnell habe die Caritas der Gruppe Räume für regelmäßige Treffen angeboten und der Plan wurde zunehmend konkreter. „Wir haben die Werbetrommel gerührt und schließlich ein kompetentes Architektenehepaar gefunden, das bereits mehrere solcher Projekte erfolgreich umgesetzt hatte.“

Angelina Wilke fühlt sich in der Gemeinschaft am Latoursgarten wohl. Foto: Tinter, Anja (ati)

Vor allem schätze Bernward Abraham die zusammenhängenden Balkone. Nicht selten klopft der Nachbarsjunge an seine Glastür, zeigt auf die Bonboniere und holt sich eine Süßigkeit ab. „Der siebenjährige Jonas kommt gerne zum Schachspielen oder Würfeln vorbei und weiß inzwischen auch, dass ich um 16 Uhr meine Kaffeestunde abhalte – mit Kuchen. Und ich weiß natürlich, welchen Kuchen er am liebsten mag und bringe ihm immer ein Stück mit.“ Man kennt sich untereinander, ist während der Planungs- und Bauphase zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Aus Fremden wurden Freunde. „Ich habe viele Jahre alleine gelebt in einem anonymen Haus, in dem es keinen nachbarschaftlichen Zusammenhalt gab. Heute ist es anders. Meine an Multiple Sklerose erkrankte Nachbarin sitzt im Rollstuhl. Von Zeit zu Zeit lade ich sie zu mir ein – ich weiß, wie sie ihren Kaffee am liebsten trinkt. Sowas ist hier möglich – und so habe ich es mir von Anfang an vorgestellt.“

Auch Lars (31) und Angelina (28) Wilke fühlen sich mit ihrer einjährigen Tochter Paula sehr wohl im NaWoDo. „Zu Beginn haben wir bei mir im Schwesternwohnheim gelebt, dann in einer Wohnung in Dormagen. Die nachbarschaftliche Gemeinschaft hat uns sehr gefehlt. Die haben wir gesucht und hier gefunden.“ Besonders die gegenseitige praktische Hilfe im Alltag sei Gold wert, sagt die junge Mutter. „Wir betreuen gegenseitig die Kinder, helfen mit den Einkäufen. Paula kann mit ganz vielen anderen Kindern zusammen aufwachsen. Dabei ist es aber niemals zu eng – jederzeit kann man seine Tür schließen, und das akzeptieren alle.“

Leben in der neuen Wohnform,  v. l. Gudula Stellrich, Joris, Uschi Gaertner, Jonas,Johannes Thönneßen, Leonore. Foto: Georg Salzburg(salz)

Neben Car- und Waschmaschinen-Sharing, Aktionen wie dem wöchentlichen gemeinsamen Essen oder dem lebendigen Adventskalender werden in Zukunft noch weitere Vorteile entstehen. „Das wird sich entwickeln und nach den Bedürfnissen der Nachbarn richten“, so Thönneßen.