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Dormagen: Inklusion bis 2014 bleibt ein Wunschtraum

Dormagen : Inklusion bis 2014 bleibt ein Wunschtraum

In Dormagen werden an Grundschulen und den beiden Realschulen behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam unterrichtet.

Behinderte und nichtbehinderte Schüler lernen und leben gemeinsam — in Dormagen klappt das an den Grundschulen bereits sehr gut, wie Schulverwaltungsleiterin Ellen Schönen-Hütten bilanziert: "Der gemeinsame Unterricht an den Grundschulen wird bereits seit 15 Jahren erfolgreich praktiziert, weist sie auf die Friedensschule in Nievenheim und die Christoph-Rensing-Schule in Horrem hin. In den Grundschulen wurden im Schuljahr 2011/12 genau 42 Kinder mit Behinderung unterrichtet. "Die Kinder werden in Gruppen zusammengefasst und von einem Sonderschullehrer von der Förderschule am Chorbusch betreut", erläutert Schönen-Hütten.

Neu ist seit dem laufenden Schuljahr eine Inklusions-Gruppe an jeder der beiden Realschulen. Lehrer an den Realschulen in Hackenbroich und am Sportpark haben dafür in der Schule am Chorbusch bei den Sonderpädagogen hospitiert, die sich um 126 Schüler kümmern. "Die Gruppen sind auch an den Realschulen gut angelaufen", sagt die Leiterin der Schulverwaltung. Bisher seien auch in der Hermann-Gmeiner-Hauptschule behinderte Schüler ab den Eingangsklassen betreut worden. Auch im Schuljahr 2013/14 wird es wieder weitere Inklusions-Gruppen an den Realschulen geben. Dort können die knapp 20 behinderten Schüler jedoch keinen Realschulabschluss, sondern einen Förderschulabschluss machen. "Jedes Jahr überprüfen wir für jedes Kind, ob der Förderunterricht ausreicht oder eventuell nicht mehr nötig ist", so Schönen-Hütten.

"Wir alle unterstützen das Ziel, behinderte und nichtbehinderte Kinder gleichzustellen", betont Kämmerer Kai Uffelmann. Eine komplette Inklusion für 2014 — wie vom Land vorgesehen — bleibe jedoch ein Wunschtraum: "Inklusion kann nicht von heute auf morgen umgesetzt werden", sagt der Beigeordnete. Das werde noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis alle Bereiche darauf eingestellt seien. Im Schulbereich gehe es um Barrierefreiheit der Gebäude genauso wie um die Finanzierung von speziellen Transporten der Schüler und um die Ausbildung der Lehrer in Sonderpädagogik: "Mit den Inklusions-Gruppen in Dormagen haben wir gute Erfahrungen gemacht, aber das alles kostet Geld", weist Uffelmann darauf hin, dass sich das Land an der Finanzierung beteiligen müsse. So müssen bei schwer hörbehinderten Schülern zum Beispiel die Klassen mit Schallschutzdecken ausgestattet und Mikrofone angeschafft werden wie am BvA-Gymnasium.

Der Rhein-Kreis hat in einer Arbeitsgruppe Inklusion verschiedene Aspekte der Gleichstellung für die Bereiche Schule, Arbeiten und Kindertagesstätte bereits beleuchtet. "Wir werden diese Arbeit mit den Themen Wohnen und Sport fortsetzen", erklärt Kreisschuldezernent Tillmann Lonnes. Das Angebot von Förderschulen, in denen nur behinderte Schüler unterrichtet werden, will der Rhein-Kreis Neuss aufrecht erhalten. "Wir werden ein Förderzentrum in Kaarst aufbauen, außerdem empfiehlt sich ein solches Zentrum auch im südlichen Kreisgebiet in Grevenbroich oder Dormagen", sagt Lonnes. Er unterstreicht, dass die Kosten in der Sozialhilfe für Integrationshelfer und Förderunterricht kreisweit in den vergangenen 15 Jahren von Null auf drei Millionen Euro gestiegen seien.

(NGZ/ac)