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Dormagen: Ineos viertgrößter PE-Produzent Europas

Dormagen : Ineos viertgrößter PE-Produzent Europas

Der Kunststoff Polyethylen (PE) wurde heute vor 80 Jahren erstmals hergestellt. Beim Chemiekonzern Ineos läuft die Produktionsanlage seit 1967. Heute zählt das Unternehmen bei der Herstellung zu den Großen in der Branche.

Es war ein besonderer Tag heute vor 80 Jahren, als es den beiden britischen Forschern Eric Fawcett und Reginald Gibson erstmals gelang, den Kunststoff Polyethylen herzustellen. Mit einem Ergebnis, das heute wie selbstverständlich zu unserem Leben gehört, denn Folien aller Art, Getränkeverpackungen, Einkaufstaschen oder selbst (Rohr-)Leitungsummantelungen sind selbstverständliche Alltagsgegenstände.

Facharbeiter Christoph Koschek zeigt das Endprodukt Granulat. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Produziert wird Polyethylen, kurz PE, in großer Menge gleich um die Ecke: Der Chemiekonzern Ineos ist europaweit der viertgrößte Hersteller dieses Kunststoffes. Er produziert jährlich über eine halbe Million Tonnen.

Anlagenleiter Christoph Breitkopf: "Hier ist Polyethylen drin." Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Wer in die Welt des PE eintauchen will und die Herstellung hautnah verfolgen will, muss auf Dr. Christoph Breitkopf hören. Der Operations Manager bei Ineos ist in einen schwer entflammbaren Arbeitsanzug gehüllt, hinzu kommen Schutzhelm, -brille und -handschuhe. Das gilt auch für alle Besucher. Ebenso das ständige An- und Abmelden beim Betreten und Verlassen eines Gebäudes in dem weitläufigen Areal. "Damit man im Unglücksfall weiß, ob noch jemand im Gebäude ist", sagt Breitkopf.

Er erzählt, dass das Polyethylen in der heutigen Form eher das Ergebnis eines Zufalls-Experiments am Ende des 19. Jahrhunderts war. Damals testeten die Forscher, wie sich verschiedene Chemikalien unter höchstem Druck verhalten. Offenbar war die Apparatur nicht dicht und Luftsauerstoff drang ein. Mit dem Ergebnis für die staunenden Chemiker, dass weißes Pulver entstand.

Das Granulat, das auch heute noch das Endprodukt des Herstellungsprozesses ist. Der Rohstoff bei der Herstellung von Polyethylen ist immer die gasförmige Verbindung Ethylen.

Entweder im Hochdruckverfahren unter Zugabe von Peroxid oder im Niederdruckverfahren über Katalysatoren entsteht am Ende ein Feststoff, das Granulat. Bei dem Hochdruckverfahren ist in den verschiedenen Produktionsschritten die Verdichtung des Gases von 18 auf 2000 Bar und die spätere Reduzierung des Drucks wichtig.

Die dann schmelzartige Masse wird durch eine Art "Fleischwolf" gedreht, durch eine löchrige Platte gepresst und ihr am Ende das Wasser entzogen, so dass die Masse dann zu (stets weißem) Granulat geschnitten werden kann. Versandfertige Polyethylen-Pellets werden in einen Luftstrom zu den 220 Silospeichern der Anlage geblasen. Die Transportluft wird am Anfang gefiltert, um Verunreinigung des Endprodukts zu vermeiden.

Von dort geht es in Tanklastzügen oder Säcken per Lkw zu den Kunden, die das PE so weiter verarbeiten, wie sie es für ihre Produkte benötigen. In Fruchtsaftverpackungen werden, so erklärt es Experte Breitkopf, der bei Ineos mehrere Produktionsanlagen leitet, auf die Kartonwand eine Schicht PE, dann Aluminium und wiederum eine dünne Schicht Polyethylen aufgebracht. Eltern von Säuglingen kommen täglich mit PE in Berührung, denn der Verschluss einer Windel besteht genau aus diesem Material. In der Anwendung ist vor allem das geringe Gewicht von Vorteil.

Seit 1969 wird bei Ineos PE hergestellt. An der hoch technisierten Herstellung sind 80 Mitarbeiter beschäftigt. In den Fabriken selbst herrscht wenig Menschen-Betrieb, die Maschinen versehen ihren 24-Stunden-Dienst, überwacht in der Messwarte, wo Mitarbeiter auf Dutzenden von Monitoren die richtigen Einstellungen kontrollieren. Passieren kann dennoch etwas: 2008 gab es nach einem Leck in einer Ethylen-Pipeline einen Großbrand.

(NGZ/rl)