Dormagen: In Dormagen fehlen pflegeleichte Gräber

Dormagen : In Dormagen fehlen pflegeleichte Gräber

Die Zahl der Urnenbestattungen steigt stetig, derzeit liegt sie in Dormagen bei 55 Prozent. Das bedeutet auch neue Herausforderungen für die hiesigen Friedhöfe. Die sollen allerdings nur sachte an die neuen Trends angepasst werden.

Der Trend in Dormagen geht zur Urnenbestattung. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist die Quote der Feuerbestattungen um zehn Prozentpunkte gestiegen. Waren es 2008 nur 45,2 Prozent der Bestattungen in Urnengräbern, waren es 2012 bereits 55,5 Prozent. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: In ländlichen Stadtteilen wie Gohr und Nievenheim überwiegt die Erdbestattung, in Dormagen und Hackenbroich die Urnenbestattung. Auch die Art der Bestattung ändert sich, es werden mehr pflegeleichte und anonyme Gräber nachgefragt.

Diesem Trend will nun auch die Friedhofsverwaltung gerecht werden. "Wir beobachten diesen Trend und schauen uns nach neuen Bestattungsformen um", erklärt Gottfried Koch, Leiter der Technischen Betriebe, die auch für die Dormagener Friedhöfe zuständig sind. So gibt es auf dem Friedhof Dormagen und dem Heidefriedhof Zons die Möglichkeit zu Bestattungen in pflegefreien oder anonymen Gräbern. "Wir prüfen derzeit neue Möglichkeiten der Bestattung. Hierbei geht es vor allem um pflegeleichte Gräber", sagt Koch.

Ein Kämpfer für die so genannten Urnenstelen, Türme, in denen die Urnen verschlossen werden, ist der CDU-Ratsherr Hermann Harig. Sein Vorschlag, eine solche Stele auf dem Hackenbroicher Friedhof aufzustellen, wurde jedoch nicht umgesetzt. "Der Verwaltung passt das leider nicht. Ich bekomme aber viele Anfragen von Bürgern nach pflegeleichten Gräbern", sagt Harig. Denn es gebe immer weniger Angehörige, die sich intensiv um die Gräber kümmern könnten. "Viele leben gar nicht mehr in der Region und können sich daher nicht mehr um die Gräber kümmern", so der Ratsherr weiter.

Neben der Errichtung einer Urnenstele spricht sich Gottfried Koch gegen anonyme Bestattungen in so genannten Friedwäldern aus: "Wir haben in Dormagen keinen Wald, der so ruhig gelegen ist, dass man dort einen würdigen Ort für Beerdigungen schaffen könnte." Allerdings werde die Möglichkeit geprüft, ob auf dem Zonser Friedhof ein "Bestattungsgarten mit professioneller Pflege" errichtet werden könne. "Bis jetzt haben wie aber auch noch keine so große Nachfrage nach anonymen Bestattungen", so Koch weiter.

Den Trend zur Urnenbestattung kann auch Peter Stelten, Pfarrer von St. Michael, bestätigen: "Die Urnenbestattung ist in den vergangenen zehn Jahren rasant gestiegen." Die katholische Kirche verbreitet die Urnenbestattung übrigens nicht mehr, empfohlen wird allerdings die Erdbestattung. Für Pfarrer Stelten geht es dabei weniger um die Frage, wie bestattet wird, sondern um die Art: "Das Begräbnis muss ein würdiges Ereignis sein. Und auch danach sollte das Grab ein würdiger Ort der Trauer für Angehörige und Freunde sein."

Mit den muslimischen Dormagenern gibt es eine Gruppe, die sich nur sehr selten auf den Friedhöfen der Stadt begraben lassen. "Es gibt zwar ein Grabfeld für Muslime auf dem Friedhof Dormagen, das aber nur sehr wenig genutzt wird", erklärt Gottfried Koch. Das liege vor allem daran, dass sich die Muslime in der überwiegenden Mehrheit in ihrer Heimat begraben ließen. "Wir wollen das aber ändern und sind dazu in den Kontakt mit der muslimischen Gemeinde und dem Ausländerbeirat getreten. Diesen wollen wir vertiefen", sagt Koch weiter.

Auch über einen Umbau des Geländes mit einem Haus für rituelle Waschungen werde man sprechen, verspricht der Leiter der Technischen Betriebe.

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE