Dormagen entwickelt „Kita-Strategie“: In der Stadt fehlen 161 Kindergartenplätze

Dormagen entwickelt „Kita-Strategie“ : In der Stadt fehlen 161 Kindergartenplätze

Die Verwaltung hält der Misere eine „Kita-Strategie“ entgegen, mit der in den nächsten Jahren über 500 neue Betreuungsplätze entstehen sollen. Es geht nicht nur um Neubauten, sondern auch um Raummodule.

Mit einer klar formulierten Strategie gehen die Jugendverwaltung der Stadt und der Eigenbetrieb als Baubereich die Misere bei den Betreuungsplätzen in den Kitas an. Die ist auch bitter nötig, denn die Zahlen, die der Erste Beigeordnete Robert Krumbein gestern nannte, verdeutlichen, wie schwierig die Situation ist: Demnach fehlen im Hinblick auf das neue Kindergartenjahr 2019/20 aktuell 127 Plätze im U3-Bereich sowie 34 bei den über Dreijährigen. Schon im laufenden Kindergartenjahr können nicht alle Nachfragen gedeckt werden. Jetzt soll kräftig neu gebaut, angebaut und aufgestellt werden. Bis zum Kitajahr 2021/22 sollen so mehr als 500 neue Betreuungsplätze entstehen.

„Wir machen uns natürlich Sorgen angesichts solcher Zahlen“, sagt Krumbein. Die Stadt will sich wappnen, allerdings ist nicht klar, ob es am Ende tatsächlich so viele Eltern bzw Kinder sind, die ohne Betreuungsplatz sein werden. Denn: „Im vergangenen Sommer haben wir 300 Eltern angeschrieben, die einen Bedarf angemeldet hatten, davon reagierte lediglich ein Drittel, die wirklich einen Platz benötigten.“ Unter den 34 Ü3-Kindern sind auch eine Reihe, die einen Platz haben, aber in eine andere Kita wechseln wollen. Gleichwohl reagiert die Stadt mit einem umfangreichen Erweiterungsprogramm. Dabei wird nahezu alles gemacht, was möglich ist, wie zum Beispiel die zeitlich auf rund fünf Monate befristete Unterbringung einer Gruppe in der Altenstube an der Salvatorstraße in Nievenheim.

Durchschlagenden Erfolg bringen große Lösungen. Eine liegt in Nievenheim. Auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbads soll eine neue Kindertagesstätte gebaut werden, in der sechs Gruppen untergebracht werden können. Im Jahr 2020/21 könnte die Kita fertig sein. Damit will die Stadt, so erklärt Jugend-Dezernent Krumbein, auch dem Baugebiet Nievenheim IV Rechnung tragen, in dem derzeit kräftig gebaut wird. Das Areal ist indes so groß, dass dort auch Wohnungen entstehen könnten. Neue Kapazitäten werden auch im Lernort Horrem mit einer viergruppigen Kita geschaffen, mit deren Fertigstellung frühestes Mitte 2021 gerechnet wird. Aber auch in der Stadtmitte ist Bedarf. So sucht die Stadt einen Partner, mit dem sie ein Neubauprojekt für fünf bis sechs Gruppen verwirklichen kann. „Gerne ein Träger, der selbst baut“, wünscht sich Krumbein. In der „Kita-Strategie“ beschreibt die Stadt das aktuelle Maßnahmenpaket. Darin wird auch der Neubau einer Kita an der Haberlandstraße genannt. Mitten im Schulzentrum soll es sechs neue Gruppen geben. Unbestritten notwendig, jedoch ist der Standort politisch nicht unumstritten, weil es auch um Geräuschbelastungen für die Schulen geht, ebenso um die Frage, wo Sportanlagen angelegt werden können. Mit einer Inbetriebnahme des 4,1 Millionen Euro-Projektes rechnet die Stadt gleichwohl im zweiten Halbjahr 2019. An der Gabrielstraße in Delrath wird eine Zusatzfläche zur Verfügung gestellt, um eine weitere Gruppe mit zwei Nebenräumen schaffen zu können. Das Raummodul ist bestellt, die Lieferung verzögert sich um einen Monat. Neben klassischen Kitas ist auch die Großtagespflege stark nachgefragt. In der Alten Schule in Delhoven soll ab 2019 eine solche geplant werden. Schon Ende des Jahres soll eine solche im Bürgerhaus Horrem entstehen.

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