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Dormagen: Im Segelboot zu den Paralympics

Dormagen : Im Segelboot zu den Paralympics

Leibniz-Schüler Lennart Posselt nahm an einem Inklusions-Projekt des Behindertensportverbandes NRW teil und segelte mit Behinderten und Nichtbehinderten eine Woche lang nach London.

Nordsee statt Straberger See, Dreimaster anstelle einer Jolle — für Lennart Posselt waren es sechs aufregende Tage, die hinter dem jungen Mann liegen. Er segelte nämlich mit behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen und Erwachsenen zu den Paralympics nach London. Eine ganz spezielle Erfahrung, die der 16-Jährige nicht missen möchte. "Es war toll, wie wir zu einer Gemeinschaft zusammen gewachsen sind."

Im Sommer des vergangenen Jahres entdeckte der Schüler des Leibniz-Gymnasiums einen Facebook-Eintrag des Segelverbandes NRW, in dem er Mitglied ist. Dort wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, mit dem Behindertensportverband NRW per Segelschiff mit Behinderten und Nichtbehinderten zu den Paralympics von Emden aus nach London zu segeln. Posselt war sofort Feuer und Flamme, denn: "Inklusion finde ich sehr wichtig." Er sprach erst mit seinen Eltern, dann mit der Oberstufenleiterin und schließlich mit Schulleiter Herbert Kremer. Immerhin ging es um sechs unterrichtsfreie Tage. "Wir halten solche Projekte für wichtig", sagt Kremer. "Und es ist eine Sache des Gebens und Nehmens." Heißt: Lennart Posselt wird in den nächsten Tagen in der Schulkonferenz einen kleinen Vortrag über diesen besonderen Segeltörn halten. Dann wird er vielleicht auch das Essen erwähnen, weil gleich fünf Mahlzeiten am Tag auf dem Programm standen. Und das für ihn gruselige englische Frühstück: "Morgens gebratene Blutwurst mit Rührei ..." Da hielt er sich dann doch vornehm zurück.

Anfang Juli trafen sich die fast 40 Teilnehmer der Reise zum Kennenlernen im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln und erfuhren von ihren Aufgaben an Bord des 70 Meter langen, barrierefreien Segelschiffes. Wichtig dabei: das "Buddie"-System. In einem solchen Team schließen sich mehrere zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Eine Woche vor Beginn der Paralympics in London wurden in Emden die Leinen gelöst. Weil der Wind ungünstig blies, segelte die Truppe erst Richtung Frankreich. "Das war ja auch der Sinn, dass wir viel segeln sollten."

Lenken, Logbuch-Einträge, in den Ausguck klettern, Segel setzen — die Teilnehmer hatten keine Langeweile. Auch nicht zur "Happy Hour" der Profi-Crew: Die hatte dann Pause und die Gäste durften das Deck schrubben. Sie wuchsen schnell zu einem Team zusammen, Behinderte und Nichtbehinderte arbeiteten in allen Bereichen Hand in Hand zusammen, "eine wirklich tolle Erfahrung". Die gab es dann auch in London. Bei der Ankunft segelte der Dreimaster erst unter der Tower-Bridge durch, dann fuhren die Teilnehmer direkt zur für Posselt "sehr coolen" Eröffnungsfeier ins Stadion. Leider mussten sie bereits am nächsten Tag per Bus zurück.

(NGZ/ac)