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Horrem: "Horrem ist unsere Heimat"

Horrem : "Horrem ist unsere Heimat"

Fritz Detmer betrieb bis 2002 die Metzgerei an der Knechtstedener Straße. Mit Ehefrau Christel, Sohn Andreas, Schwiegertochter Tanja und Enkelsohn Heiko lebt das Horremer Urgestein noch immer im Haus der Familie.

Unerkannt kann Fritz Detmer (73) in Horrem nicht vor die Haustür treten. "Egal, wo wir hier hingehen, immer heißt es: 'Ach, der Fritz, Hallo!'", sagt seine Frau Christel (73). Nicht verwunderlich. Die Beschreibung "Urgestein" trifft auf Fritz Detmer wie wohl auf kaum einen anderen Menschen in Horrem zu. Er betrieb bis 2002 eine Metzgerei/Partyservice an der Knechtstedener Straße. Das Geschäft hatte er bereits von seinem Vater übernommen. Nebenbei arbeitete er 26 Jahre als Religionslehrer in Hackenbroich. "Da war damals Bedarf, und in der Kirche war ich schon immer aktiv", sagt Fritz Detmer, der heute als Diakon in der Gemeinde St. Michael tätig ist. Mit seiner Frau, Sohn Andreas (34), dessen Frau Tanja Rieger (36) und dem dreijährigen Enkel Heiko lebt Fritz Detmer noch immer im Haus an der Knechstedener Straße.

Zuhause für viele Familien: Die Mietwohnungen der Wohnungsbaugesellschaften prägen große Teile des Ortsbilds. Stadt, viele der Anwohner und die Wohnungsbaugesellschaften wollen an einem neuen Erscheinungsbild arbeiten.

Dort, wo früher Hackfleisch, Aufschnitt, Würstchen und Schweinebraten die Auslage schmückten, Kunden ein und aus gingen, Neuigkeiten und Gerüchte ausgetauscht wurden, stehen heute ein schwarzer Flügel, eine Sofagarnitur, ein Fernseher und andere Gegenstände, die ein Wohnzimmer definieren. "Aus Horrem, aus unserem Haus hier, wollten wir nicht wegziehen – und werden wir auch nie", sagt Fritz Detmer. So vieles verbinde seine Familie mit dem Stadtteil im Norden Dormagens: Die Kirche, die Nachbarn, die Schützen, der Chor – das Gefühl von Heimat.

Für Sohn Andreas, der noch drei ältere Schwestern hat, fiel die Entscheidung, im Haus der Eltern wohnen zu bleiben, nicht nur deswegen leicht. Mit der Geburt des Sohnes vor drei Jahren "war es ohnehin klar für uns, dass wir hier bleiben", da auch die Eltern seiner Frau Tanja Rieger in Horrem leben. Sie schätzen an dem Stadtteil die günstige Verkehrsanbindung, "man kommt hier auch ohne Auto zurecht", so die 36-Jährige. Alles sei mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen: "Der Supermarkt, der Kindergarten, die Schule, ein Spielplatz ist gleich in der Nähe." Sie finde es besonders schön, dass es so viele Grünflächen ohne Autos dazwischen gebe.

Auffällig sei, darüber sind sich die Familienangehörigen einig, dass weniger Kinder als früher in Horrem zu sehen seien. "Man sieht viele alte Leute", sagt Andreas Detmer, der als Fahrplaner in Köln arbeitet. Seine Frau Tanja sieht aber mittlerweile wieder einen leichten "Trendwechsel". Es zögen auch immer mehr junge Familien nach Horrem, habe sie festgestellt. "Es wäre schön, wenn die Entwicklung so weiterginge."

Der gesellschaftliche Mittelpunkt ist für die Familie Detmer/Rieger die Kirche. "Da ist immer volles Haus", sagt Christel Detmer, die in mehreren Chören singt, wie auch Andreas und Fritz Detmer. Christel Detmer ist streng genommen das einzige Familienmitglied, das sich nicht als "Ur-Horremer" bezeichnen dürfte. Sie stammt nämlich aus Ostpreußen. Mit neun Jahren kam sie mit ihrer Familie als Kriegsflüchtling nach Horrem. "Und darüber bin ich sehr froh. Hier ist meine Heimat."

(NGZ)