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Dormagen: Hohe Steuer für Kampfhunde

Dormagen : Hohe Steuer für Kampfhunde

Besitzer so genannter "gefährlicher" Hunde sollen künftig eine höhere Steuer zahlen. Die Verwaltung verfolgt mit der Maßnahme zwei Ziele: Die Zahl der Kampfhunde verringern und die klamme Kasse ein wenig zu füllen.

Es ist erst eine Woche her, da ist in Horrem ein Pitbull-Mix ausgerastet und hat einen Dobermann gebissen. Vor einem Jahr hat ein nicht angeleinter Rottweiler in Straberg einen Hund angefallen. Fälle wie diese landen dann auf den Tischen im Ordnungsamt, die Polizei wird nicht zwingend eingeschaltet.

"Zwischenfälle wie diesen gibt es immer mal wieder", sagt Stadtsprecher Harald Schlimgen. Immerhin 25 gefährliche Hunde werden in Dormagen gehalten. Gemeint sind Rassen wie American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier, Alano, American Bulldog, Rottweiler oder Mastiff.

Geht es nach der Stadt, soll sich das ändern. Der Hauptausschuss hat gestern den Beschlussvorschlag gefasst, die Steuer für Kampfhunde zu erhöhen. Ein Kampfhund soll künftig 500 Euro im Jahr kosten, zwei oder mehr Hunde 650 Euro. Bei zwei Gegenstimmen — BfD, Zentrum — entschied dies der Ausschuss. Damit verfolgt die Verwaltung laut dem Stadtsprecher zwei Ziele: "Die Zahl der gefährlichen Hunde soll so gering wie möglich gehalten werden." Außerdem soll angesichts der prekären Haushaltslage die Stadtkasse gefüllt werden.

Zunächst einmal fallen zwar für die Stadt auch Kosten an: Fast alle Hundehalter müssten angeschrieben werden, dadurch entstünden Material-, Personal- und Portokosten von etwa 3500 Euro; dafür sollen künftig 5000 Euro jährlich mehr in die klamme Stadtkasse fließen.

Heinz-Karl Rehbein, Leiter des Tierheims Dormagen, kann die Argumentation der Verwaltung nicht nachvollziehen. Er glaubt, dass es der Stadt darum geht, Geld einzunehmen. Rehbein weiß aber auch, dass zumindest teilweise eine bestimmte Klientel Kampfhunde hält: "Je teurer solch ein Hund, desto größer ist doch der Imagegewinn." Viele Besitzer würden die Tiere — im Fachjargon Anlagehunde — nicht anmelden, bis sie von der Polizei erwischt würden. Und dann landeten sie im Tierheim an der Bergiusstraße.

Chica, ein schneeweißer Stafford, ist solch ein Fall. Das Tier ist ins Tierheim gekommen, nachdem sein Herrchen von der Polizei verhaftet wurde. Dass zum Halten eines Kampfhundes ein polizeiliches Führungszeugnis und der erweiterte Sachkundeausweis benötigt wird, reicht aus Rehbeins Sicht nicht zwingend. Nicht immer kontrolliere ein Züchter diese Formalien. Eine Erhöhung der Kampfhundesteuer würden die Tierheime zu spüren bekommen, so Rehbein.

Vermittelbar sind Kampfhunde nur schwer. "Jemand hat vor langer Zeit einen einjährigen Pitbull über den Zaun des Tierheims geworfen, elf Jahre hat er hier gelebt, bis er gestorben ist."

(NGZ/rl)