Historiker fordert: Hindenburgstraße in Dormagen umbenennen

Straßen in Dormagen : Historiker fordert: „Hindenburgstraße umbenennen“

Ex-Stadtarchivar Heinz Pankalla sieht dort mehr Handlungsbedarf als bei der Carl-Duisberg-Straße.

Zur Diskussion um die inzwischen auf Eis gelegte Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße meldet sich Heinz Pankalla, der ehemalige Stadtarchivar, zu Wort, der gemeinsam mit dem Kreisarchivar Stephen Schröder und dessen Vorgänger Karl Emsbach im Auftrag der Politik eine Expertise zu dem Industriellen erstellt hatte. „Wir haben absichtlich keine Empfehlung zur Umbenennung der Duisberg-Straße ausgesprochen, da dies eine Entscheidung der Politik ist“, erklärt Pankalla, der aber auch betont, dass aus der Expertise klar zu erkennen sei, „dass Duisbergs Handeln nach heutigem Recht ein Verbrechen“ sei. Unter anderem hatte sich der Dormagener Industrielle für den Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg ausgesprochen.

Trotzdem sei bei Carl Duisberg eine Einschätzung der Person durchaus mehrdeutig, so Pankalla: „Er hat anerkanntermaßen eine große Leistung für das Bayerwerk und Dormagen vollbracht, zudem ist unklar, ob die Gilftgasempfehlung in damaliger Zeit als Völkerrechtsverletzung zu sehen ist. Andererseits war seine Empfehlung, Zwangsarbeiter aus Belgien zu rekrutieren, damals schon völkerrechtswidrig.“ So seien Duisbergs Verdienste für Dormagen unbestritten, ein anderer Fall aber weitaus kritischer zu betrachten, wie der Historiker und ehemalige Stadtarchivar ausführt: „Über Duisberg kann man streiten, über Hindenburg nicht“, weist Heinz Pankalla auf die Straße in Nievenheim hin: „Hindenburg, der Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht hat, hat keine lokalen Bezüge zu Dormagen. Die Straßenbenennung geht auf eine Initiative der lokalen NSDAP Mitte 1933 zurück.“ Anders als zum Beispiel bei der Hitlerstraße sei dies 1946 nicht zurückgenommen worden. „Die Hindenburgstraße ist umzubenennen“, fordert Pankalla, der auf die geschichtliche Bewertung der Historiker verweist: „Wir Historiker werfen nicht mit Schmutz, wühlen keine persönlichen Verfehlungen auf, sondern benennen die politischen und öffentlichen Verfehlungen.“ Er regt feste Kriterien für künftige Straßenbenennungen in Dormagen an.

Zu welchem Ergebnis man auch komme, eins halte er für völlig unsinnig, so Pankalla: „Eine Befragung der betroffenen Anwohner zu einer Straßenumbenennung ist ein Witz.“ Der Ausgang sei klar, weil die Bewohner zeitliche und finanzielle Belastungen befürchten würden. „Mit der Befragung hat sich die Dormagener Politik aus ihrer moralischen Verantwortung gestohlen. Das hätten die Politiker selbst entscheiden müssen und nicht auf die Bürger abschieben dürfen“, meint Pankalla. Enttäuscht ist er auch darüber, dass er für seine ehrenamtliche Arbeit am Gutachten über Duisberg keinen Dank erhalten habe.