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Hilfsinitiative aus Dormagen: Hilfe in Altenahr weiterhin benötigt

Initiative aus Dormagen im Einsatz : Hilfe in Altenahr weiterhin dringend benötigt

Die Initiative „You‘ll nev Ahr walk alone“ fährt noch immer jedes Wochenende nach Rheinland-Pfalz. Denn weitere Unterstützung nach der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer ist nötig.

Rund ein halbes Jahr sind seit der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz vergangen. Seit sechs Monaten fahren die Freiwilligen Helfer der in Dormagen gegründeten Initiative „You‘ll nev Ahr walk alone“ in die pfälzische Gemeinde Altenahr – und das weiterhin in durchaus beachtlicher Mannes-(und Frauen)-Kraft. Noch heute fahren an jedem Wochenende etwa dreißig bis vierzig engagierte Helfer in das Nachbar-Bundesland. Während die Flutkatastrophe, die nicht nur weit über 100 Menschen das Leben kostete, sondern auch Tausenden das Heim zerstörte, mittlerweile aus vielen Köpfen wieder verschwunden ist, wohnen die Menschen in den Krisengebiet weiterhin auf absoluten Baustellen.

Insgesamt sind laut Martin Voigt, Initiator der Gruppe, rund 30.000 Euro und zahlreiche Sachspenden bei der Initiative eingegangen. Eine enorme Summe, die laut Voigt dringend benötigt wurde: „Wir haben alleine 10.000 Euro in Werkzeug etc. investiert, den Rest benötigten wir für die Organisation und die Menschen vor Ort“, erklärt er.

 Die Freundschaft untereinander ist für die Helfer und Helferinnen der Initiative „You‘ll nev Ahr walk alone“ sowie für die Bewohner der Gemeinde besonders wichtig.
Die Freundschaft untereinander ist für die Helfer und Helferinnen der Initiative „You‘ll nev Ahr walk alone“ sowie für die Bewohner der Gemeinde besonders wichtig. Foto: Voigt
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Auch Hermann, genannt Hermi, Freibeuter steht nahezu jedes Wochenende bereit, um den betroffenen Menschen in Altenahr zu helfen. Von der Initiative werden seit Juli mehrere Häuser intensiv betreut. Vom Abriss bis zum Wiederaufbau. „Wir haben die Häuser kurz nach dem Hochwasser zunächst komplett vom Schlamm entfernt, die Wände vom nassen Putz und Estrich befreit, bis die Häuser von innen komplett nackt waren“, erzählt Freibeuter. „Dann haben wir provisorische Fenster eingebaut. Die Innenräume müssen durch Heizlüfter zunächst einige Wochen trocknen.“ Stetig kämen weitere Objekte hinzu. „Bei den ersten Häusern sind wir mit der Entkernung schon fertig, manche sind schon trocken und werden jetzt wieder aufgebaut.“ In den ersten Immobilien werden bereits wieder Heizungen eingesetzt, „teilweise sind auch schon Elektriker engagiert“. Diese Fortschritte seien bereits ein Erfolg, doch das Problem seien häufig nicht die zerstörten Häuser, sondern auch die psychischen Probleme der Menschen.

„Wir gehen in Altenahr auch immer noch von Tür zu Tür und fragen, wo wir helfen können“, so Freibeuter. „Wir hören immer wieder von Menschen, die psychisch einen schweren Einschnitt erlebt haben. Bisher war es ihnen nicht möglich, selbstständig Hilfe zu holen. Wir möchten jedoch niemanden vergessen oder übersehen und daher suchen wir gezielt nach ihnen.“ Die Gruppe „You‘ll nev Ahr walk alone“ sei nicht nur vor Ort, um beim Aufbau zu helfen, sondern auch, um „Hoffnung zu schenken“. Hermi Freibeuter führt aus: „Wir kommen nicht nur eine Woche oder einen Monat, wir kommen so lange wie man uns hier braucht.“ Es sei nicht absehbar, wie lange man noch nach Altenahr fahre: „Wenn wir mit den Häusern durch sind, dann wollen wir den Menschen auch noch bei ihren Außenanlagen helfen. Die Straßen sind völlig zerstört und viele Gartenanlagen sind als solche nicht mehr zu erkennen. Schon jetzt pflanzen wir vereinzelt Bäume und wollen damit weitere Hoffnung vermitteln.“ Mittlerweile habe man Freundschaft mit vielen der Gemeindemitgliedern geschlossen. „Es ist ein Vertrauensverhältnis. Diese menschliche Beziehung wird auch weiterhin andauern, wir sind da, wenn man uns braucht“, so Freibeuter.

 Das untere Foto zeigt ein Haus der Gemeinde Altenahr kurz nach der Flut. Die Helfer räumten die Außenanlage auf.
Das untere Foto zeigt ein Haus der Gemeinde Altenahr kurz nach der Flut. Die Helfer räumten die Außenanlage auf. Foto: YNWA

Bei all der Hilfe, den Aufbauarbeiten etc. sei die Corona-Pandemie zudem ein Aspekt, den man sehr ernst nehme: „Wir haben ein eigenes Hygienekonzept entwickeln. Vor einigen Monaten sind wir mit einem großen Bus gefahren, heute teilen wir uns in kleinere Gruppen von bis zu sechs Menschen auf und betreuen auch immer dieselben Häuser. Wir sind alle geboostert und zusätzlich lassen wir uns auch noch testen. Immer noch können weitere Helferinnen und Helfer gebraucht werden: „Es braucht natürlich immer Fachkräfte, also Handwerker, Elektriker etc., die unterstützen können. Doch auch jeder andere ist Willkommen.“