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Dormagen: Hilfe aus der Sucht bieten

Dormagen : Hilfe aus der Sucht bieten

Die Neusser Jugend- und Drogenberatungsstelle ist kreisweit die einzige Anlaufstelle für Drogenabhängige. Heroin ist die am meisten konsumierte Droge. Mit ihren Auswirkungen kämpft auch der Dormagener Arzt Dr. Paul Klüger.

Dass er und sein Team mit einer vergleichsweise bescheidenen Erfolgsquote leben müssen, ist Norbert Bläsing gewohnt, seit er mit Menschen arbeitet, die von harten Drogen abhängig sind. "Selbst in der Raucherentwöhnung gilt eine Erfolgsquote von 35 Prozent als sehr hoch. Der Ausstieg aus der Sucht nach harten Drogen wie Heroin ist noch weitaus schwerer, und entsprechend sind auch die Erfolgsquoten", sagt der Sozialpädagoge, der seit mehr als 20 Jahren in der Drogenberatung arbeitet.

Seit November 2009 leitet er die Neusser Jugend- und Drogenberatungsstelle, die ihren Sitz im ehemaligen Haus "Robertz Bur" an der Augustinusstraße hat. In der kreisweit einzigen Beratungsstelle für Drogenabhängige suchten 2010 insgesamt 569 Menschen Rat und Hilfe, 79 Anträge auf Entzugskuren wurden gestellt, 45 davon angetreten, 15 vorzeitig beendet. Vorn liegt bei den illegalen Drogen Heroin, das von fast der Hälfte der Ratsuchenden konsumiert wurde. Aber auch Cannabis, Kokain und Amphetamine werden genommen: "Fast alle Abhängigen haben Mischkonsum, das heißt sie nehmen, was gerade da ist", erläutert Bläsing. Für die Substitution, die medizinische kontrollierte Einnahme von Ersatzstoffen wie Methadon, ist solcher Mischkonsum ein Problem: "Die Frage ist, ob jemand von einer oder mehreren Substanzen abhängig ist." Nur im Falle einer Opiatsucht kann Methadon überhaupt helfe.

Drei Neusser Ärzte, sechs im Rhein-Kreis verordnen Methadon, eine Substanz aus der Gruppe der Opiate, die länger im Körper bleibt als Heroin. Einer von ihnen ist der Dormagener Arzt Dr. Paul Klüger, der seit knapp zwei Jahren eine Methadon-Praxis an der Emdener Straße betreibt. "Diese Menschen sind am unteren Rand der Gesellschaft, haben oftmals keine Arbeit und keine Ausbildung", erklärt der Mediziner, der derzeit 32 Patienten betreut; eine Genehmigung hat Klüger für maximal 50 Patienten. Sein Ziel es ist, die Süchtigen von der Straße zu bekommen. Doch weiß er auch: "Solange die anderen Probleme nicht gelöst sind, ist es schwierig das Substitutionsproblem zu lösen."

Die Ausgabe von Methadon ist zudem an strenge Auflagen gebunden: "Ein wöchentliches Gespräch zwischen Betroffenem und Arzt ist vorgeschrieben, auch eine zusätzliche psychosoziale Betreuung. Dazu machen die Ärzte regelmäßige Urin-Screenings, um Beigebrauch auszuschließen", sagt Norbert Blösing. Ohnehin ist der Beikonsum eines der großen Probleme beim Ausstieg aus der Sucht: "Viele steigen auf Alkohol um oder nehmen andere Stoffe." Und: "Nach langen Jahren der Abhängigkeit ist es eine Illusion, einen Ausstieg mit Methadon in zwei bis drei Jahren zu erwarten. Es gibt keinen Königsweg aus der Drogensucht", weiß Bläsing.

(NGZ)