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Interview Thomas Blomenkamp: Heute wird "Kassandra" uraufgeführt

Interview Thomas Blomenkamp : Heute wird "Kassandra" uraufgeführt

Sein Konzert nach dem Dichter Aischylos eröffnet das Festival "Alte Musik" in Knechtsteden.

KNECHTSTEDEN Der Komponist Thomas Blomenkamp (58) hat auf Anregung von Hermann Max ein Werk für 16 Stimmen, Pauke und Schlagzeug für die Eröffnung des Festivals "Alte Musik" in Knechtsteden geschrieben: "Kassandra" wird heute um 20 Uhr uraufgeführt. Blomenkamp stammt aus Düsseldorf, lebt mit Frau, Tochter, Sohn und zwei Katzen in Meerbusch.

Herr Blomenkamp, Ihr Bratschenkonzert ist jetzt in Saarbrücken uraufgeführt worden, heute erblickt die Kassandra das Licht der Welt. Das hört sich nach Erfolg an...

Blomenkamp Es ist eher ein Zufall, dass zwei größere Werke innerhalb weniger Tage zur Uraufführung kommen (die Aufträge dazu kamen im Januar und September letzten Jahres). Aber die Regel (mit wenigen Ausnahmen) ist heute, dass die Premiere eines neuen Stücks gleichzeitig seine Dernière ist...insofern hängt der Erfolg ständig an seidenem Faden...

Die tragische Figur der Kassandra hat immer Künstler inspiriert. Welcher Aspekt hat Sie interessiert?

Blomenkamp Die Tragik dieser Gestalt, deren Prophezeiungen niemand ernst nimmt, ihre ausweglose Situation, ihre verzweifelte Lage, das "Pathos", also ihr Leiden. Diese Figur lässt niemanden kalt, und mein Wunsch ist, dass jeder Sänger, ob Frau oder Mann, im Moment der Aufführung zu Kassandra wird. Ihre Warnrufe sind natürlich zeitlos – auch das macht die Größe dieses Aischylos-Textes aus; es gab nie einen Zweifel, dem Chorwerk andere als die Worte dieser "ältesten" Kassandra zugrunde zu legen.

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Welche musikalische Form haben Sie aus diesem Ansatz entwickelt?

Blomenkamp Ich hoffe, eine hoch expressive...man könnte das Stück vielleicht eine Motette nennen, der modale Skalen zugrunde liegen. Die Form ist die eines Bogens (mit Ausbrüchen), der einen ruhigen Anfang und ein stilles Ende hat.

In Knechtsteden arbeiten Sie eng mit Hermann Max und dessen Rheinischer Kantorei zusammen. Welchen Einfluss hatte die Zusammenarbeit auf die Entstehung der "Kassandra"?

Blomenkamp Ich danke Hermann Max für seinen Mut, ein neues Stück in sein Festival Alte Musik Knechtsteden zu implantieren (das übrigens mit einer Cassandra-Kantate von J.C.F. Bach gekoppelt ist). Wir haben einige Male telefoniert: Er hat mir für Textauswahl und Gestaltung freie Hand gelassen, nur die Anzahl der Stimmen war auf 16 festgelegt, es hätten aber mehr oder andere Instrumente hinzukommen können. Im Übrigen finde ich kontrastreiche Programme immer spannender als "monochrome", die nur "alt", klassisch oder zeitgenössisch geprägt sind. So kann sich das eine am anderen "reiben", muss sich Neues Bewährtem stellen...

16 Stimmen, Pauken und Schlagzeug, das hört sich nicht gerade nach Wohlfühlmusik an. Welche Klänge erwarten die Zuhörer?

Blomenkamp Wer meine Musik gehört hat, weiß, dass ich auf das, was man "avancierte Techniken" nennt, in der Regel verzichte. Ich möchte eine sinnliche Musik schreiben, die den Hörer direkt anspricht und keine, die vor lauter Experimentieren vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Das muss nicht heißen, dass dem Hörer harmonisch-wohlige Schauer über den Rücken laufen. Dazu bietet schon dieser "Anti-Wohlfühltext" keinen Anlass. Bei der Arbeit hatte ich durchaus den Chor des antiken Theaters vor Augen, das Schlagzeug unterstützt vielleicht diesen "archaischen" Klang...

Wie wird sich die "Kassandra" zwischen sehr anspruchsvollen Werken, allesamt so etwas wie Friedens-Musiken, behaupten?

Blomenkamp Das werden wir heute Abend sehen...

ARMIN KAUMANNS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(NGZ)