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Dormagen: Herr des Stürzelberger Luftraums

Dormagen : Herr des Stürzelberger Luftraums

Der "Stürzelberger Modellbau Club" erobert ab morgen die Luft über dem ehemaligen Zinkhütten-Gelände. Ab 11 Uhr treffen sich die Modellbauer zum Anfliegen. Einer, der seit 40 Jahren an der Fernbedienung steht, ist Geschäftsführer Jost Spinrath.

So einträchtig wie an diesem sonnigen Spätnachmittag parkten britische, amerikanische, französische und deutsche Jäger vor 70 Jahren auf keinem Flugplatz: U87 Stuka, Mustang, Spitfire und Warhawk. "So genannte Warbirds aus dem Zweiten Weltkrieg", erklärt Geschäftsführer Jost Spinrath (53). Ihre Absicht war unmissverständlich. Auf dem nachtblauen Jäger Corsair 29 ist eine Piratenflagge auflackiert.

Heute ziehen die Jäger friedlich ihre Runden durch die Luft über dem Stüttger Weg in Stürzelberg. Die Flieger sind Nachbauten im Maßstab 1:12, die Mitglieder des "Stürzelberger Modellbau Clubs" konstruiert haben. Am Samstag treffen sich die Modellbauer offiziell zu ihrem Anfliegen. Dann werden Hubschrauber, Kunstflieger oder eben auch die Jäger ihre Kreise ziehen. Jost Spinrath hat das Virus vor 40 Jahren infiziert. Als kleiner Junge kam der Dormagener mit seinem Vater an dem damaligen Flugplatz in Rheinfeld vorbei. Er fing sofort Feuer. Seit Vereinsgründung im Jahr 1967 — zunächst war das Vereinsgelände an der Zonser Heide —ist Spinrath dabei.

Der Modellbau, das wird klar, ist eine Wissenschaft für sich. Zwischen 300 Euro für ein Einsteigermodell und tausenden von Euro für Liebhaber geben die Modellbauer für ein Flugzeug aus — abhängig vom Vorfertigungsgrad. Die Maschinen sind aus Balserholz, Glasfaser und Epoxidharz, sie werden elektrisch mit einem Gemisch aus Methanol und Synthetiköl oder sogar mit Kettensägenbenzin betrieben. "Es gibt Cracks, die 2000 Stunden in den Bau eines Flugzeugs stecken", sagt Spinrath.

Wer seine Runden über dem ehemaligen Zinkhüttengelände drehen möchte, muss vorbereitet sein, immerhin knattern die Flieger mit bis zu 200 Stundenkilometern durch die Luft. "Eine Möglichkeit ist es, das Fliegen im Simulator zu üben", sagt Spinrath. Doch das Verhalten der Flugzeuge in der Realität ist doch anders. Es gibt Luftbewegungen, Rückenwind. Den letzten Schliff gibt ein vereinsangehöriger Fluglehrer, der die Kontrolle über den Modellflieger mittels eines Lehrer-Schüler-Systems in der Luft übernehmen kann. Zu spektakulären Abstürzen kann es dennoch kommen. Zur Sicherheit haben die Vereinsmitglieder ein Netz gespannt. "Seit die Flugzeuge mit einer Frequenz von 2,4 Gigahertz gesteuert werden, kommt es seltener zu Abstürzen", sagt Spinrath, der selbst fünf Flugzeuge hat.

Im September wird das anders sein. Bei den deutschen Meisterschaften im Air Combat werden sich sieben Flugzeuge in Stürzelberg bekriegen. Ziel ist es, eine fünf Meter lange Papierleine zu treffen, die jedes Flugzeug hinter sich her zieht. "Dann", sagt Spinrath "sind Kollisionen sogar erwünscht."

Info www.smc-ev.de

(NGZ)