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Dormagen: "Heißer Ofen" im Chempark

Dormagen : "Heißer Ofen" im Chempark

In der Rückstandsverbrennungsanlage wird es mit 1100 Grad so heiß wie nirgends sonst in Dormagen. Allein zum Abkühlen braucht der Rohrofen zwei bis drei Tage. Jeden Tag arbeiten Fachleute im "Auge des Drachen".

Selbst bei minus drei Grad Außentemperatur flirrt die Luft vor dem eisblauen Himmel. In 50 Meter Höhe im Chempark lässt sich erahnen, dass es hier irgendwo heiß sein muss. Sehr heiß. Das "irgendwo" ist ein Drehrohrofen. Und besonders heiß ist's an dem 13 Meter langen, grauen Ungetüm mit dreieinhalb Meter Durchmesser, das sich seinem Namen entsprechend langsam aber stetig wie ein Uhrwerk dreht.

Der Rohrofen ist Teil der Rückstandsverbrennungsanlage Dormagen des Chempark-Betreibers Currenta. 410 Grad heiß wird das Rohr, genauer: der Mantel, innen ist's noch deutlich heißer: 1100 Grad erreicht der Ofen. Betriebsleiter Theodor Bonkhofer (51), ausgestattet mit Schutzhelm und -brille, öffnet eine Luke und macht so den Blick frei in den Ofen.

Zu sehen ist ein riesiges Meer aus Flammen, jede einzelne vier bis fünf Meter lang, so wie man sie für die größten feuerspeienden Drachen der Sagenwelt erdenken könnte. Fachmann Bonkhofer freilich erkennt in seinem feuerspeienden "Drachen" noch viel mehr. In diesem Falle etwa, dass mit der Anlage alles in Ordnung ist: "Wenn die Flammen schwanken oder rauschen oder glühende Tropfen fliegen, dann stimmt etwas nicht", sagt Bonkhofer.

Daher wird das Feuer über die acht Luken auch regelmäßig kontrolliert. Einmal in der Woche müssen die Luken innen gereinigt werden, denn die Schlacke setzt sich davor fest. In dem extrem hitzebeständigen Anzug, dem Silberling, arbeitet dann ein Mitarbeiter direkt an der geöffneten Luke, also praktisch im Auge des Drachen. Es gibt kaum Stoffe, die dieses Meer aus Flammen unbeschadet überstehen. Selbst Aluminium mit einer Schmelztemperatur von 660 Grad würde an diesem heißesten Ort der Stadt längst geschmolzen sein.

Diese hohen Temperaturen sind nötig, damit der Müll verbrannt werden kann, der nicht im Hausmüll landet, der Sondermüll nämlich, der auch zu einem kleinen Teil aus dem besteht, was die Dormagener am Schadstoffmobil abgeben. Der Großteil des Mülls, wie kontaminierte Verpackungen, Lösungs- und Produktionsreste, stammt aber aus dem Chempark selbst. Für den Schutz vor gefährlichen Emissionen, zum Beispiel Feinstaub und Schwefeloxide, gibt es eine mehrstufige Rauchgasreinigung.

Viel übrig bleibt von diesem Müll, der an 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 11 Monate im Jahr (vier Wochen lang wird die Anlage gewartet) durch das Drehen gemischt und verbrannt wird, nicht. "Die mineralischen Reststoffe werden zu Schlacke abgeschreckt", sagt Bonkhofer. Dieser Abfall des Abfalls ist sogar noch zu gebrauchen, etwa für den Randbau der Deponie in Rheinfeld — oder im Straßenbau. "Aber dazu sind unsere Mengen zu gering. Wenn ich dem Straßenbau 5000 Tonnen Schlacke anbiete, will der die einer Woche. Aber solche Mengen kommen bei uns in einem Jahr zusammen", sagt Bonkhofer.

(NGZ/rl)