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Heimatprojekt in Dormagen: Burg Hackenbroich mit Tafel wieder sichtbar

Heimatprojekt in Dormagen : Burg Hackenbroich wird mit Tafel wieder sichtbar

Genau 67 Jahre nach ihrem Abriss im Jahr 1953 ist jetzt die Burg Hackenbroich wieder sichtbar: Auf einer großen Infotafel wird mit Foto, Bild und Text auf die ehemalige Wasserburg hingewiesen.

König Michael II., Brudermeister Hans-Dieter „Mueh“ Schloemer, sein Stellvertreter Jo Deußen und Oberst Frank Janssen – alle in Uniform – sowie Königin Claudia Reif im schönen Kleid und mit „Königin“-Mund-Nasen-Schutz: So wie die Schützen das abgesagte Schützenfest hoch hielten und in der Corona-Krise visualisierten, so soll die am Freitag enthüllte Infotafel die abgerissene Burg Hackenbroich wieder sichtbar machen. Am Tag der Festeröffnung versammelten sich einige Hackenbroicher am Fußweg hinter dem Schulhof der Grundschule Burg, um ein Herzensprojekt abzuschließen. 

„Jetzt ist unsere altehrwürdige Burg zumindest auf einem Foto wieder zu sehen“, sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld bei der Enthüllung: „Manchmal ist es ein Segen, wenn die Stadt etwas abreißt, hier war es eine Schande“, so der Verwaltungschef, der sich bei allen Unterstützern für die Organisation, Ausarbeitung und Finanzierung bedankte.

Denn bis 1953 stand dort eine schmucke Wasserburg, die jetzt durch Foto, Gemälde und Text wiederentdeckt werden kann. „Die alten Gräben und den Burghügel kann man zwischen Bäumen und Wiesen noch gut erkennen“, sagt der Hackenbroicher Hans Josef Schlömer, der das Geld für die Tafel spendete. Als Kind hat er selbst noch in der Burg gespielt, ehe sie abgerissen wurde. „Das war damals ein Riesenfehler. Mit der Burg hätten wir heute ein wunderbares Wahrzeichen für unseren Ort“, meint Schlömer.

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Da so auch viele andere Hackenbroicher empfinden, gab es eine Gemeinschaftsaktion: Der Schützenzug „Burg-Junge“ um Stefan Buchartz und die Heimatfreunde Hackenbroich um Otto Ohligschläger wirkten dabei mit. Fachlich unterstützt wurde das Vorhaben von der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Dormagen und dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss um Stephen Schröder. „Das war eine hervorragende Zusammenarbeit und auch aus dem politischen Raum sind dazu wichtige Anregungen gekommen“, dankte Lierenfeld. So auch CDU-Ratsherrn Hermann Harig, der schon 1998 den Antrag „Burgpark und Sichtbarmachung der Burg Hackenbroich“ im Rat gestellt und Infotafeln angeregt hatte. Auch Vizebürgermeister Hans Sturm hat noch Erinnerungen an die alte Burg.

„Besonders gelungen finde ich, dass die Burggeschichte auch in kindgerechter Form auf der Tafel erzählt wird. So erfahren unsere jüngsten Mitbürger, warum die Grundschule in Hackenbroich nach der Burg benannt wurde“, sagte Lierenfeld, der vom Burgherrn-Nachfolger, Graf Metternich, herzlich grüßte: „Die Tafel macht Geschichte lebendig.“

Bereits im Jahr 1330 ist die „burch van Hackenbroych“ erstmals urkundlich erwähnt. Ursprünglich eine Niederungsburg vom Typ „Motte“, wurde die wehrhafte Anlage 1474 im Zuge der Belagerung der Stadt Neuss durch den Burgunderherzog Karl dem Kühnen zerstört, später in Teilen wieder aufgebaut.

Ihre letzte Gestalt erhielt die Burg im 18. Jahrhundert durch einen spätbarocken Neubau. Den zeigt ein um 1770 entstandenes Gemälde, das sich auf Schloß Dyck befindet. Die Anlage gehörte die meiste Zeit der Adelsfamilie von Salm-Reifferscheidt(-Dyck). Deren Wappen prangte – von zwei Löwen gehalten – auf dem einstigen Torturm, auf den eine Buchenallee mit einer kleinen Brücke am Burggaben zuführte. Heute ist der Burgbereich ein Bodendenkmal. Unter der Erdoberfläche schlummern noch Überreste der Grundmauern.