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Dormagen: Hebamme betreut über Geburt hinaus

Dormagen : Hebamme betreut über Geburt hinaus

Jutta Joisten arbeitet freiberuflich als Hebamme. Sie gibt Geburtsvorbereitungskurse und kümmert sich um die Wochenbettpflege. Außerdem begleitet sie als Beleghebamme werdende Mütter in den Kreiskrankenhaus-Kreißsaal.

Auch wenn Töchterchen Hannah sie ordentlich auf Trab hält, Anja Riemer ist überglücklich über das kleine, sechs Wochen alte Bündel, das sie auf dem Arm hält. Und obwohl die junge Mutter keine Probleme hat, ist sie froh, gerade jetzt eine Ansprechpartnerin zu haben. Und die heißt Jutta Joisten und ist Hebamme. Die 44-Jährige hat Anja Riemer nicht nur während der Schwangerschaft betreut, sondern stand ihr auch bei der Geburt im Kreißsaal des Dormagener Krankenhauses zur Seite. "Es war toll, jemanden dabei zu haben, den man kennt und dem man vertraut", so die 30 Jahre junge Mutter.

Dieses Erlebnis hatte Jutta Joisten bei der Geburt ihrer ersten Tochter Maya vor 23 Jahren nicht. "Ich bin damals sehr schlecht betreut worden", sagt die 44-Jährige, weshalb die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau spontan entschied: "Ich muss Hebamme werden." So spontan wie ausgesprochen setzte sie diesen Wunsch allerdings nicht um. Nach der Geburt der zweiten Tochter Sina (1994) machte sie zunächst eine Ausbildung in klassischer Homöopathie und Geburtsvorbereitung. Als sogenannte Ergänzungskraft arbeitete sie dann zehn Jahre in einem Waldorf-Kindergarten. Währenddessen versuchte Jutta Joisten aber schon, sich an einer Hebammenschule (Bensberg, Bonn, Aachen, Wuppertal) zu bewerben. Es dauerte neun Jahre, bis sie schließlich den begehrten Platz erhielt. "Ich hatte ja bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und einen Arbeitsplatz", erzählt die Kölnerin. Daher wurde ihr Wunsch offensichtlich nicht als so dringend angesehen.

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Während ihrer dreijährigen Ausbildung wurde ihr schnell klar, dass sie auf keinen Fall als angestellte Hebamme in einem Krankenhaus arbeiten wollte. "Dennoch wollte ich die Frauen nicht nur bis zu und dann erst wieder nach der Geburt betreuen, sondern auch während", sagt sie. Und genau das macht sie seit Dezember — als Beleghebamme, übrigens die einzige im Dormagener Krankenhaus. "Die Frauen und ich — wir bekommen die Babys zusammen", sagt sie, und Anja Riemer, die die Geburt von Hannah als unkompliziert empfunden hat, kann dem nur zustimmen. "Ich kann jeder Frau nur empfehlen, sich eine Hebamme auszusuchen, die mit in den Kreißsaal kommt", sagt sie.

Seit Dezember war Jutta Joisten bei elf Geburten dabei und lobt die familiäre Atmosphäre im Kreiskrankenhaus. Einige Frauen betreut sie ab der zwölften Schwangerschaftswoche und manchmal noch bis zu einem Jahr nach der Geburt. Das bedeutet aber auch, dass die Fachfrau immer bereit stehen muss. Nachts aufstehen, Feste und Feiern verlassen oder ein freies Wochenende "opfern" — das gehört eben dazu, und auch die eigene Familie muss dahinter stehen. "Noch trägt's mein Mann mit Fassung", sagt Jutta Joisten. Schließlich arbeite sie in ihrem Traumberuf.

(NGZ)