1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Bis vor drei Jahren mit Pferd und Wagen unterwegs: Handwerks-Tradition aufrecht erhalten

Bis vor drei Jahren mit Pferd und Wagen unterwegs : Handwerks-Tradition aufrecht erhalten

Eine selbständige Gemeinde ist Nievenheim schon lange nicht mehr, auch die rein bäuerliche Prägung gehört der Geschichte an. Wo früher Getreide, Kartoffeln oder Rüben munter aus dem Boden sprießten, schossen Baugebiete in die Höhe. Doch bei aller Veränderung: Es gibt sie noch, jene Orte, die ein Stück "vum alde Nievering" bis in unsere Zeit bewahrt haben.

Eine solche Institution ist die 1882 eröffnete Bäckerei Meuser. Gegründet wurde die Bäckerei im Schatten der der imposanten Pfarrkirche St. Pankratius von Theo Meuser. Heute leitet sein Urenkel Werner Meuser das Geschäft in der vierten Generation. "Ich versuche die Tradition des Familienbetriebes aufrecht zu erhalten, doch in manchen Bereichen mussten wir schon Abstriche machen. Zum Beispiel fuhr mein Vater, der auch Theo Meuser heißt, bis vor drei Jahren das Brot noch mit der Pferdekutsche durch Nievenheim, Ückerath, Delrath, Straberg und zu vielen Bauernhöfen. Aus Zeitgründen machen wir diese Arbeit heute mit Autos, obwohl ich das persönlich schade finde", erzählt Werner Meuser.

Neben den drei Angestellten in der Backstube und den zwölf Verkäuferinnen hinter der Ladentheke helfen auch seine Eltern Theo und Regina Meuser noch mit, so gut sie eben können. Genauso überliefert wie der Standort der Bäckerei ist auch das Konzept in der Herstellung: "Natürlich decken wir mit ,modernen' Broten wie Ciabatta und röschem Baguette den mediterranen Bereich ab. Doch es ist mir sehr wichtig, ernährungsphysiologisch hochwertige Brote, wie dunkles Körnerbrot, zu verkaufen.

  • Tönisvorst : Bäckerei van Densen eröffnet eine Kultur-Backstube
  • Kamp-Lintfort : Mahir Dyli erlernt bei Berns den Bäcker-Beruf
  • 109 Jahre Krefelder Tradition enden : Die Bäckerei Krocker schließt

Ein ganz zentraler Punkt in der Konzeption ist die Pflege der alten Vollwert-Tradition mit derbem Schwarzbrot, Nussbrot und den neuen Kräuterbroten mit Petersilie, Schnittlauch oder Paprika. Dabei achten wir auch darauf, dass in der Produktion möglichst viel von Hand gemacht wird", berichtet Meuser im Gespräch mit der NGZ. Damit erklärt sich auch der Slogan "Der einzige echte Bäcker in Nievenheim". Dieses plakative Selbstbewusstsein hat seinen Grund: "Wir sind die einzige Bäckerei in Nievenheim, bei der die Waren frisch aus dem Ofen in den Laden kommen."

Bei Filialbetrieben werde in der Regel mit so genannten Teiglingen oder Fröstlingen gearbeitet, erklärt Meuser den feinen Unterschied. Das bedeute, dass die Brötchen zentral vorbereitet und in den Läden kurz aufgebacken werden. "Außerdem benutzen wir in der Backstube eine Ofenplatte aus Stein, wodurch die Brötchen von unten schön cross werden. Die Kruste ist nämlich der entscheidende Faktor beim Geschmack des Brötchens", betont der Bäcker.

Wenn in Nievenheim die meisten Bürger noch friedlich in ihren warmen Federbetten ruhen, geht es in Meusers Backstube schon heiß her. Auch das gehört eben zum beruflichen Alltag eines Traditionsbäckers. Doch trotz all dieser liebevoll gepflegten Eigen- und Besonderheiten darf in dem Familienunternehmen die Innovation nicht zu kurz kommen: Dazu zählt beispielsweise das neue, unmittelbar an den Laden grenzende Café.

"Ich möchte die Leute wieder mehr zum alten Dorfkern bewegen." Während sich die Gäste dort die hauseigenen Kuchen und Teilchen schmecken lassen können, haben sie nicht nur eine Aussicht auf die Kirche. Es wird eine Glasscheibe zwischen der Backstube und dem Café geben, damit die Kunden den Produktionsablauf direkt miterleben können. aeh

(NGZ)