Handwerk Dormagen: Franz Davertzhoven seit 60 Jahren Steinmetz-Meister

Handwerk in Dormagen : Davertzhofen ist seit 60 Jahren Steinmetz

Steinmetz Franz Davertzhofen hat die Freude an der Arbeit mit dem Stein an seinen Sohn Gregor weitergegeben.

Schon als kleiner Junge stand für Franz Davertzhofen fest: „Ich wollte unbedingt Steinmetz werden. Mein Vater, ein Stukkateur, hat das Gegenhandwerk so gelobt, dass ich einfach nicht daran vorbeikam“, erinnert sich der 83-Jährige. „Mit Eintritt in die Lehre habe ich den Beschluss gefasst, mich selbstständig zu machen.“ Dieses Ziel hat er hartnäckig verfolgt und im Alter von 23 Jahren seinen Meisterbrief in den Händen gehalten. Das ist nun 60 Jahre her – ein Grund zu feiern. Unter den Gratulanten Daniel Franzen, stellvertretender Obermeister der Innung des Rhein-Kreises Neuss, der Davertzhofen den Diamantenen Meisterbrief feierlich überreichte und ihm herzlich gratulierte.

Alles begann 1959 nach der Meisterprüfung, als sich Franz Davertzhofen in einem Schuppen hinter seinem Elternhaus in Nievenheim seine erste Werkstatt eingerichtet hatte. „Geld für Mitarbeiter war damals nicht vorhanden, sodass sein Bruder Theo ihn in der Buchhaltung und seine Cousins beim Aufbocken der Steine unterstützt haben“, sagte Gregor Davertzhofen (53), der vor 17 Jahren, als sein Vater sich aus dem operativen Geschäft zurückzog, die Leitung der großen Werkstatt übernommen hat. Mit seiner Frau Rosemarie bekam Franz Davertzhofen vier Kinder. „Irgendwann wurde der Schuppen für meinen ambitionierten Vater zu klein,  1965 wurde die Werkstatt am Holzweg gebaut. 1971 folgte das Wohnhaus nebenan.“

Dort werden seitdem in liebevoller und exakter Handarbeit individuelle und personenbezogene Grabmale gefertigt sowie Brunnen, Skulpturen aus Bronze und Stein und figürliche und abstrakte Bildhauerarbeiten – stets mit großer Freude an der Arbeit am Stein. Sohn Gregor absolvierte eine Ausbildung in Siegburg, studierte an der Akademie für gestaltendes Handwerken in Aachen, wo ihm eine Dozentenstelle für plastisches Gestalten angeboten wurde. „Das war eine wertvolle Zeit für meine persönliche und berufliche Entwicklung“, resümiert der Steinmetzmeister.

Immer wieder wurden in der Werkstatt Davertzhofen junge Menschen ausgebildet, die sich selbstständig gemacht oder ein Studium angeschlossen haben. „Es war eine spannende Zeit, mit ihnen die Arbeit am Stein mit Formgefühl, Präzision und Ideen zu füllen“, so Gregor Davertzhofen, der Kunsttherapeuten unterrichtet. An seiner Seite: Harald Fuchs, Meister und Freund, der immer wieder auf dem Weg ist, Altes zu überdenken, Bewährtes zu erhalten und Neues zu entwickeln. Die Söhne Henrik und Lukas, angehende Lehrer und Musiker, haben den Beruf des Steinmetzes zwar nicht gewählt, unterstützen ihren Vater und Opa aber. Auch Daniel Franzen zeigte sich beeindruckt: „Wir erleben hier eine interessante und lebendige Familiengeschichte. Es ist nicht alltäglich, dass jemand, der sein Leben lang hart körperlich gearbeitet hat, seinen Diamantenen Meisterbrief in den Händen hält.“

Franz Davertzhofen, der sich aus gesundheitlichen Gründen auf freie Arbeiten mit Holz und Bronze fokussiert, ist ein zufriedener Mensch. „Die Zeit vom Meisterbrief bis heute war gut, die Ernte ist eingefahren“, resümierte er. „Es erfüllt mich noch immer mit großer Zufriedenheit, den Menschen, die einen geliebten Angehörigen verloren haben, einen Stein zu gestalten, der sie nicht bedrückt, sondern sie auch Jahrzehnte später an ihren Liebsten erinnert.“ Und er appelliert: „Wir können alle die Welt etwas verbessern, wenn wir unser Eigenes mehr zurückstellen und den Nächsten sehen.“

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