Dormagen/Düsseldorf: Haftstrafe wegen Schwarzarbeit

Dormagen/Düsseldorf : Haftstrafe wegen Schwarzarbeit

In einem der größten deutschen Prozesse um Schwarzarbeit in der Fleischbranche verurteilte das Düsseldorfer Landgericht gestern einen Unternehmer als Hauptangeklagten zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

Es war einer der größten deutschen Prozesse um Schwarzarbeit in der Fleischbranche: Der Neusser Axel H. wurde gestern vom Düsseldorfer Landgericht wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Arbeitsentgelten zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 47 Jahre alte Pferdeliebhaber hatte gestanden, von Dormagen aus mit einem Firmenimperium operiert zu haben, um 1000 Schwarzarbeiter aus Osteuropa an eine Vielzahl bundesdeutscher Schlachthöfe zu verleihen. Der Schaden ist gewaltig: Laut Gericht entgingen dem Fiskus rund 14 Millionen Euro.

Ruhig und gefasst wirkte Axel H., als er gestern das Urteil entgegen nahm. Er wusste, dass er fünfeinhalb Jahre Gefängnis bekommen würde, diese Zahl hatte Richterin Brigitte Koppenhöfer schon zu Beginn des Verfahrens genannt. Allerdings hatte sie dieses Strafmaß auch von einer Bedingung abhängig gemacht: Der Unternehmer sollte ein rückhaltloses Geständnis ablegen.

Genau das tat er dann auch. Ein Geflecht von 50 Firmen habe er von Dormagen aus nach und nach gegründet, sagte die Richterin. Freunde und Verwandte hätte er jeweils als Gesellschafter eingesetzt. "In Wirklichkeit war das alles ich", hatte Axel H. in seinem Geständnis erklärt und damit zu verstehen gegeben: Er hatte bei all den kriminellen Machenschaften die Fäden in der Hand. "Er war der Kopf eines Imperiums", sagte Richterin Koppenhöfer, die zwar nicht von einer "Schlachthof-Mafia" sprechen wollte, aber von einer erschreckenden Selbstverständlichkeit, mit der der Unternehmenschef und die sieben Mitangeklagten Schwarzarbeiter an Schlachthöfe in ganz Deutschland verliehen hätten. So seien die Schwarzarbeiter beispielsweise als Selbständige dargestellt worden, um keine Sozialabgaben und Lohnsteuern zahlen zu müssen. 2006 sei alles aufgeflogen. 500 Polizisten und Steuerfahnder durchsuchten im Rahmen einer groß angelegten Razzia Firmengebäude und Wohnungen und stellten Unmengen von Akten sicher.

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Trotz der empfindlichen Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verließ Axel H. das Gericht als freier Mann. Der Haftbefehl gegen den Neusser wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. So muss er seinen Pass abgeben und sich täglich bei der Polizei melden. Das gleiche gilt auch für zwei der Mitangeklagten, die für vier Jahre und zehn Monate sowie drei Jahre und neun Monate hinter Gitter müssen.

Trotz der Auflagen kam die Entlassung aus der Untersuchungshaft überraschend: Zumindest zwei der drei Männer haben vermutlich noch erhebliche Vermögen im Ausland. Selbst die Richterin wollte eine erhöhte Fluchtgefahr nicht ausschließen.

(NGZ)
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