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Dormagen/Kaarst: Haft für Zigarettenschmuggler

Dormagen/Kaarst : Haft für Zigarettenschmuggler

Ein Jahr Haft hat das Amtsgericht am Donnerstag gegen einen 42-jährigen Familienvater aus Kaarst verhängt, der 2010 beim Schwarzhandel mit unverzollten Zigaretten im Gesamtvolumen von 5,4 Millionen Euro beteiligt war.

Der Mann hatte die Zigaretten in einer Lagerhalle in Dormagen verkauft. Der Angeklagte gab zu, damals als Staplerfahrer einen Lkw mit illegal eingeführten Zigaretten der russischen Marke "Jin Ling" entladen und die Fracht dann auf Anweisung von Drahtziehern stangenweise an Abholer verteilt zu haben. Allein die Tabaksteuer, die dafür fällig gewesen wäre, betrug laut Anklage rund 750 000 Euro.

Mit hängendem Kopf schilderte der Angeklagte, dass er Anfang 2010 trotz einer ähnlichen Verurteilung wegen Steuerhehlerei gerade auf Bewährung frei gekommen war - und gleich wieder in die Klemme geraten sei. Während seiner U-Haft hätten nämlich polnische Landsleute die Miete und alle Kosten für seine Familie übernommen, hätten dann jene 7500 Euro aber von ihm zurückgefordert. Da er nicht zahlen konnte, sei er am Müllcontainer eines Tages von Maskierten verprügelt worden, habe danach kleinlaut seine Mithilfe am millionenschweren Zigaretten-Coup zugesagt. Dafür sollte ihm ein Teil der Schulden erlassen werden. Aber er habe die Schmuggelware nur vom Lkw in ein Lager in Dormagen gebracht, die Zigaretten dann auf Anweisung an Abholer verteilt.

Gegen drei weitere Beteiligte, die den Coup organisiert haben sollen, wird gesondert ermittelt. Die Verteidigerin des Familienvaters bezeichnete den 42-Jährigen jetzt als Randfigur und "Bauernopfer", betonte seine damalige "Notlage" und bat um Nachsicht. Dem folgte das Gericht. Der Staatsanwalt hatte zwar zweieinhalb Jahre Haftstrafe gefordert. Doch der 42-Jährige war laut Urteil nur Gehilfe, sein Beitrag "von untergeordneter Bedeutung". Weil der Mann allerdings kurz zuvor wegen ähnlicher Delikte zwei Jahre Bewährungsstrafe erhalten hatte und gleich wieder rückfällig geworden war, soll er jetzt zwölf Monate hinter Gittern bleiben. Zusätzlich muss er die restlichen 22 Monate der früheren Bewährungsstrafe auch noch absitzen.

(NGZ/ac/jco/url)