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Dormagen: Händler wehren sich gegen Trinker an der "Kö"

Dormagen : Händler wehren sich gegen Trinker an der "Kö"

Der Platz vorm Netto-Markt an der nördlichen Kö hat sich zu einem Treffpunkt für Trinkgelage entwickelt. Gestern wurde dort ein Mann niedergeschlagen. Die umliegenden Geschäfte fürchten um Umsatzeinbußen.

Erst gibt es am gestrigen Vormittag ein hitziges Wortgefecht — dann fliegen die Fäuste vorm First Reisebüro auf der Kölner Straße. Das Opfer, ein Mann im mittleren Alter, wollte einem Obdachlosen helfen, der von drei angetrunkenen Männern beschimpft und getreten worden war. ",Lasst ihn in Ruhe' habe ich gerufen, da kam ein etwa 20-Jähriger schon auf mich zu und schlug und trat auf mich ein — selbst als ich bereits blutend am Boden lag", erzählt das Opfer.

Der Täter ist den Polizeibeamten, die wenige Minuten später eintrafen, kein Unbekannter. "Wir wissen, dass es an der Ecke Kölner Straße / Florastraße öfters mal zu Ordnungswidrigkeiten kommt. Deshalb wurden in den letzten Tagen und Wochen die Kontrollen dort verschärft und auch Platzverweise ausgesprochen", so Polizeipressesprecher Hans-Willi Arnold. Eine dauerhafte Lösung, wie Passanten an dieser Stelle vor aggressiven Alkoholisierten geschützt werden könnten, habe die Polizei aber nicht.

Dass grölende Männer um den Nettomarkt auch wirtschaftlich für die anliegenden Geschäfte problematisch sind, merken diese tagtäglich. "Es stört einfach das Bild einer schönen Einkaufsstraße", macht First Reisebürochef Axel Güttler seinem Ärger Luft. Er hat direkt nach dem gestrigen Zwischenfall vor seinem Geschäft dem Bürgermeister eine E-Mail geschrieben.

Darin bittet er die Stadt, etwas gegen die alkoholisierten Ruhestörer zu unternehmen. Das sei jedoch nicht so einfach, wie Holger Burdag, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung, meint: "Platzverweise, die wir auch erteilen, gelten immer nur einen Tag. Aber wir wollen uns mit den Geschäften zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung suchen."

Eine Maßnahme, darin ist sich Güttler mit dem Nachbarn Tiago Goncalves vom Apollo-Grill einig, wäre ein Alkoholverbot von Seiten des Netto-Marktes. "Die an der Kasse wissen doch, wer da mit Bierflasche vor ihrem Laden sitzt. Wenn es keinen billigen Alkohol mehr gäbe, wäre der Platz längst nicht mehr so attraktiv", meint Goncalves. Er hat sogar schon überlegt, seinen Laden zu schließen. Auch in der Eisdiele Dolomiti haben die Betreiber unangenehme Erfahrungen mit den Störenfrieden gemacht. Immer wieder torkeln Angetrunkene auf die Toilette, oft ohne zu fragen. "Den Kunden gefällt das natürlich überhaupt nicht", sagt die Angestellte Lucia Moreira. Gegenüber der Eisdiele hat Schaffrath-Filialleiter Ronald Röwert ähnliche Probleme. An der Laderampe hinterm Geschäft liegen zerbrochene Glasflaschen und es stinkt nach Urin. "Das Ordnungsamt hilft nicht — schließlich ist dies Privatgelände", sagt Röwert.

(NGZ/rl)