Dormagen: „Gute Argumente für Konverter in Kaarst“

Dormagen: „Gute Argumente für Konverter in Kaarst“

Rund 150 Konvertergegner aus Gohr und Umgebung fordern Amprion und die Politik auf, die Kaarster "Dreiecksfläche" als Konverterstandort zu ermöglichen. Bürgermeister Erik Lierenfeld erhielt Antwort aus den Bundesministerien.

Die digitale Animationen des Netzbetreibers Amprion zu den beiden möglichen Standorten des umstrittenen Konverters — Kaarst und Gohr — waren am Dienstagabend stets umlagert. Die meisten der mehr als 250 Besucher des dreistündigen Infomarktes der Firma Amprion im Saal des Gohrer Landgasthauses wollten die Visualisierung der großen Hallen des Stromumwandlers kritisch prüfen.

Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld hatte mit Amtskollege Martin Mertens aus Rommerskirchen die Bundesministerien ihrer SPD-Parteigenossen Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks wegen des Konverters angeschrieben. Jetzt liegen die Antworten aus Wirtschafts- und Umweltministerium vor, wie Lierenfeld erklärte: "Sie werden sich in die Standortfindung nicht einmischen, sind aber über Amprions Einschätzung und Vorgehensweise informiert, den größtmöglichen Abstand als wichtigstes Kriterium zu verfolgen." Angesichts der grafischen Anordnung auf der "Dreiecksfläche" in Kaarst — mit 1,3 Kilometer-Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung — sagte Lierenfeld: "Dieser Abstand und die Einbettung in die Umgebung sind gute Argumente, die für Kaarst als Standort sprechen." Dass die Resonanz in Gohr so groß war, wunderte ihn nicht: "Das zeigt, dass die Bürger sich informieren und ihre Sorgen äußern wollen."

Die Bürgerinitiative (BI) "Contra Konverter in Gohr und Broich" war anders als beim kurzfristig in Straberg einberufenen Amprion-Infoabend nun in voller Stärke präsent, mehr als 150 Menschen trafen sich zur Kundgebung. Dabei setzten sie auf Natur- und Umweltschutz und "Mensch statt Profit". BI-Sprecher Felix Bracher fand das Vorgehen von Amprion "geschickt", Einzelgespräche statt "Frontalunterricht" anzubieten. Das erschwerte es den BI-Vertretern, sich wirksam in Szene zu setzen, Gehör verschafften sie sich dennoch: "Wir fordern die Politik auf, sich einer Änderung des Regionalplans nicht zu verweigern", so Bracher. Amprion und Bundesnetzagentur müssten nun handeln.

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"Ich freue mich, dass so viele Leute da waren", sagte Amprion-Sprecherin Joelle Bouillon. Nachdrücklich warb sie um Vertrauen in die Ernsthaftigkeit, mit der sich das Unternehmen für seinen Favoriten-Standort Kaarst engagiere und aktuell Verhandlungen mit den Besitzern der Kiesgrube führe. Wären diese erfolgreich, wäre ein wichtiger Schritt getan, um die "Dreiecksfläche" als Standort zu ermöglichen — sie sah in Gohr auch Grevenbroichs Vizebürgermeister Bertram Graf Nesselrode als geeignet an.

Walter Giesen von der BI beanstandete gegenüber Joelle Bouillon, dass die wegen neuer Starkstromleitungen in der Region im Auftrag von Amprion erstellte Studie inzwischen nur noch in gekürzter Form im Internet nachzulesen sei. Nachdem er vor einigen Monaten diese Studie angesprochen habe, sei diese aus dem Netz verschwunden: "Bei der jetzt dort zu lesenden Version fehlen 160 Seiten mit relevanten Ausführungen auch zum Naturschutz", kritisierte Giesen. Spontan musste Bouillon passen, versprach aber, der Sache nachzugehen.

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