Dormagen: Gutachten aus Gefälligkeit?

Dormagen : Gutachten aus Gefälligkeit?

Der Planungsausschuss hat den Bebauungsplan für das Fachmarktzentrum auf dem Zuckerfabrikgelände nicht gekippt. Es soll eine Sondersitzung geben. Der Bürgermeister erhob gegenüber der Vorgängerverwaltung Vorwürfe.

Im Garten des BfD-Fraktionsvorsitzenden Dietrich Krueger sollte der Gau bei Kaffee und Schokokeksen abgewendet werden. Eine Delegation des Investors Apollo-Redos hatte sich gestern Nachmittag in Straberg angekündigt, wenige Stunden bevor der Tagesordnungspunkt 11 des Planungsausschusses aufgerufen wurde: "Aufhebung des Bebauungsplans ,Südlich der Europastraße'". Übersetzt: Das Ende des Fachmarktzentrums auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik.

So weit ist es nicht gekommen. Der Ausschuss einigte sich darauf, das Thema noch einmal in einer Sondersitzung vor dem 31. Mai zu behandeln. Geht es nach Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, ist das Fachmarktzentrum gestorben: "Der Bebauungsplan ist rechtswidrig und nicht heilbar." Investor Redos hat er bereits schriftlich mitgeteilt, die Baugenehmigung für das Gelände aufheben zu wollen. Das Unternehmen hat bis zum 6. Mai Zeit, dazu Stellung zu nehmen.

In seiner Argumentation fuhr Hoffmann schweres Geschütz auf. Der Bürgermeister warf der 2006 im Amt befindlichen Verwaltung vor, von dem 2006 beauftragten Gutachter Rainer Kummer eine Gefälligkeitsanalyse verlangt zu haben. Bei der tieferen Recherche des Bürgermeisters sei ein Vorentwurf des damaligen Einzelhandelsgutachtens aufgetaucht. Daraus ginge hervor, dass das Fachmarktzentrum nicht verträglich sei mit der Innenstadt. Die Endfassung sei in einer abgeschwächten Variante veröffentlich worden. Gutachter Kummer habe auf Nachfrage erklärt, er habe die seichtere Variante erstellen sollen. Ein wenige Monate später von Redos bei der Firma GMA in Auftrag gegebenes Gutachten sei dann zu einem drastisch anderen Ergebnis zugunsten des Investors gekommen. Auf die Angriffe gegen die damals SPD-geführte Verwaltung entgegnete Fraktionsvize Nils Szuka: "Ich halte es für nicht in Ordnung, dass wir auf Leute einschlagen, die nicht hier sind und sich rechtfertigen können." Damals meinte er den im Amt befindlichen Bürgermeister Heinz Hilgers. Auf diesen, so Hoffmann, habe er mit keinem Wort eingeschlagen.

Investor Redos zeigte sich mit dem Votum der Ausschussmitglieder zufrieden: "Die Politik hat umsichtig agiert und keine Entscheidung übers Knie gebrochen. Die Aufhebung wäre ein verheerendes Signal nicht nur für das Fachmarktzentrum und die damit verbundenen 500 Arbeitsplätze, sondern auch für den ganzen Wirtschaftsstandort Dormagen und künftige Investitionen im Kreis gewesen", sagte Klaudia Herrmann aus der Redos-Geschäftsleitung.

(NGZ)