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Dormagen: Grundwasser: Stadt soll zahlen

Dormagen : Grundwasser: Stadt soll zahlen

Vom Grundwasser sind nicht nur 230 Haushalte bedroht. Sollte sich keine Lösung finden, würde die Infrastruktur in Gohr massiv leiden. Deshalb sollen sich laut dem Arbeitskreis Grundwasser Stadt und Anwohner finanziell beteiligen.

Was Gohr braucht, ist ein Signal. Stadtteilübergreifend, fraktionsübergreifend, parteiübergreifend, generationsübergreifend. Reinhard Hauschild, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Grundwasser, rechnet mit einem solchen Signal am 14. Februar. Dann stimmt der Rat über einen Entwurf ab, nach dem sich die Stadt finanziell daran beteiligen wird, das Grundwasserproblem in Gohr zu lösen. Es wäre ein Grundsatzbeschluss, wie ihn das vom steigenen Grundwasser gravierender bedrohte Korschenbroich bereits getroffen hat.

Danach würde sich die Stadt Dormagen an der Investitionssumme von einer Million Euro mit 20 Prozent beteiligen, der Kreis mit zehn Prozent. Die betroffenen Bürger im Gohrer Unterdorf — etwa 230 — müssten demnach noch 700 000 Euro aufbringen. Der Verein "Arche Gohr" hat dafür bereits Modellrechnungen erstellt, so dass "die finanzielle Belastung für die Betroffenen überschaubar" bleibt, wie der "Arche Gohr"-Vorsitzende Arno Neuhausen erklärt. Mit Zins und Inflation müsste jeder Betroffene jährlich 350 Euro über zehn Jahre ansparen.

Hinzu kommen die Betriebskosten von 67 000 Euro pro Jahr, von denen die Stadt künftig ebenfalls 20 Prozent tragen würde. Die Anwohner müssten dementsprechend noch einen Anteil von 53 600 Euro pro Jahr (270 Euro pro Betroffenem und Jahr) tragen.

Damit könnten die Pumpen finanziert werden. Erreicht das Grundwasser regelmäßig einen gewissen Stand soll mit dem Bau begonnen werden. Wann das sein wird, ist noch offen. "Wenn wir Glück haben, dauert das noch drei bis vier Jahre", sagt Neuhausen. Das wäre die Lösung, die im Fachjargon "Kappung der Grundwasserspitzen" heißt. Wie die Bezeichnung nahelegt, werden die Höchststände durch dieses Modell vermieden. Auf Dauer muss aber wohl die sogenannte "große hydraulische Lösung" (siehe Info) her. Denn die Grundwasser wird in dem Maße steigen, wie der Einfluss des Braunkohleabbaus (Garzweiler und Hambach) nachlässt, für die der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde, steigt das Wasser wieder an.

Für Reinhard Hauschild ist besonders wichtig, dass die Bürger mitziehen. Auch finanziell. Daher soll es im Frühjahr eine Bürgerversammlung geben, danach schickt die Arche "Motivationsteams" durchs Dorf, die in den finanziellen Dingen beraten. "Je mehr nicht mitmachen, desto teurer wird es für den einzelnen", sagt Hauschild. Die Anwohner müssten bedenken, dass mit der Maßnahme der Wert ihrer Häuser wieder steige. Derzeit müssten Betroffene Abschläge zwischen 30 und 50 Prozent hinnehmen. "Das ist auch für das Oberdorf wichtig", sagt Hauschild. Denn die Infrastruktur in Gohr könnte in ihrer jetzigen Form nicht aufrechterhalten werden, sollte das Unterdorf im Grundwasser versinken.

(NGZ/rl)