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Dormagen: Grundschulen fehlen Schüler

Dormagen : Grundschulen fehlen Schüler

Für das Schuljahr 2012/2013 sind bislang weniger Erstklässler angemeldet worden als von der Stadt prognostiziert. Grundschulen mit weniger als 18 Neuanmeldungen, wie am Teilstandort Gohr, müssen auf Dauer schließen.

Mies gelaunt und mit 15 Minuten Verspätung erscheint Kreis-Schulamtsleiterin Ulrike Hund am Donnerstagabend zum Schulausschuss im Ratssaal. "Das ist hier aber wirklich schlecht ausgeschildert", raunzt sie, als der Ausschussvorsitzende Bernd Engwicht sie mit einer flapsigen Bemerkung ob ihrer Verspätung begrüßt. Schweigen.

Ein verlegenes "Ja, jetzt sind Sie ja da" – und später wird sich manches Ausschussmitglied wünschen, Hund hätte den Ratssaal nie gefunden, angesichts der Nachrichten, die sie zu überbringen hatte: "Die Anmeldezahlen für die Grundschulen haben mich in Bedrängnis gebracht." Nach aktuellem Stand sind in Dormagen so wenige Schüler angemeldet, dass zwei Lehrerstellen nicht angewiesen werden könnten.

Unmittelbar betroffen davon ist der Teilstandort der Friedensschule in Gohr. Dort sind bislang nur 14 neue Kinder fürs Schuljahr 2012/2013 angemeldet worden. Die kritische Grenze für die Eingangsklasse liegt bei 18 Schülern. Ulrike Hund: "Wenn wir diese aktuellen Zahlen nach Düsseldorf (zur Bezirksregierung, Anm. d. Red.) schicken, ist das das Ende des Standortes Gohr."

Insgesamt fehlen an den Grundschulen acht Anmeldungen im Vergleich zu der Prognose, die von der Stadt erstellt worden war. Fürs kommende Schuljahr hat die Stadt mit 523 Erstklässlern gerechnet. An den 13 Grundschulen im Stadtgebiet sind aber lediglich 515 angemeldet.

Ellen Schönen-Hütten, Leiterin des Fachbereichs Schulen im Dormagener Rathaus, dazu: "Ob die Familien verzogen sind, oder ob die Eltern ihre Kinder in Grundschulen außerhalb unserer Stadtgrenzen untergebracht haben, wissen wir nicht." Fakt ist: Die Lage hat sich verschlechtert im Vergleich zum Mai, als Schuldezernentin Tanja Gaspers verkündete, dass trotz sinkender Kinderzahlen bis zum Schuljahr 2016/2017 keine Grundschule geschlossen werden müsse.

Im Verbund der Friedensschule Nievenheim/Gohr müsse nun beraten werden, erklärt Schönen-Hütten. Eine Möglichkeit sei, die Schüler vom Standort Nievenheim nach Gohr zu schicken, um die 18-Schüler-Hürde überspringen zu können. Sollte die geplante Grundschul-Richtlinie des Landes fürs Schuljahr 2013/2014 umgesetzt werden, wären nach heutigem Stand weitere Schulen in Dormagen von der Schließung bedroht.

Die Richtlinie ist aufgrund des heute schon spürbaren demografischen Wandels erarbeitet worden. Sie besagt, dass eine Schule, die dauerhaft unter 23 Schüler pro Einschulungsjahrgang hat, aufgelöst oder lediglich als Teilstandort in einem Verbund bestehen könne.

(NGZ)