Dormagen: "Grüne" Reifen aus Dormagen sparen Sprit

Dormagen : "Grüne" Reifen aus Dormagen sparen Sprit

In Dormagen produziert Lanxess synthetische Hochleistungskautschuke - vor allem für die Reifenindustrie. Energieversorger RheinEnergie rüstet rund 600 Fahrzeuge mit umweltfreundlichen Reifen mit Lanxess-Kautschuk aus.

Wirtschaftliche Probleme, Stellenabbau, keine Standortgarantien: Es waren zuletzt eher bedrückende Meldungen, mit denen Lanxess für Schlagzeilen sorgte. Umso wichtiger, dass es positive Nachrichten aus dem Produktbereich gibt: Neue Reifen mit Kautschuk aus der Produktion des Chemie-Konzerns im Chempark Dormagen sind spritsparend und umweltfreundlich.

Das hat sich jetzt bei einem markenunabhängigen Test herausgestellt, der vom Technischen Überwachungsverein (TÜV) Rheinland kontrolliert worden war. Demnach senken die "grünen" Reifen von Lanxess den Treibstoffverbrauch bei Fahrzeugen mit einem Gewicht von rund zwei Tonnen um bis zu sieben Prozent, im Durchschnitt im Stadtverkehr um 4,1 Prozent. Dass die neuen Reifen auf der Autobahn bis zu 8,5 Prozent Sprit sparen können, hatte Lanxess bereits 2013 im Test mit 40-Tonner-Lkw einer Spedition herausgefunden.

Für Betreiber von großen Fahrzeugflotten könnte eine Umrüstung gleichbedeutend mit Kostenersparnis von zig tausend Euro im Jahr sein - und das, obwohl die Umweltreifen pro Stück etwa sieben Euro mehr kosten als ein Standardreifen. Ein Ergebnis, das die Verantwortlichen beim Energieversorger RheinEnergie überzeugt hat. Die Kölner rüsten zunächst 130 ihrer Servicefahrzeuge auf die neuen Reifen um, die restlichen 470 Wagen sollen Schritt für Schritt folgen.

Für die 130 Autos bedeutet die Umrüstung (die Anschaffungskosten für die "grünen Reifen" bereits abgezogen), dass sie pro Jahr etwa 4500 Liter Sprit weniger benötigen, was einer Summe von etwa 5000 Euro entspricht. Gut für die Finanzen, aber auch für die Umwelt. Denn mit der Umrüstung der ersten 130 Autos lassen sich nach Unternehmensangaben jährlich auch gut elf Tonnen CO2 sparen. "Als Energiedienstleister und -versorger nehmen wir unsere Verantwortung für die Umwelt sehr ernst", sagt RheinEnergie-Arbeitsdirektor und -Vorstand Norbert Graefrath. "Darum freuen wir uns, auf derart sinnvolle und letztlich bequeme Weise einen Beitrag zum Umweltschutz leisten zu können."

RheinEnergie hatte sich zuvor auch am gemeinsamen Reifen-Praxistest mit Lanxess beteiligt, der ein halbes Jahr lang dauerte. Der Energieriese hatte dazu sechs baugleiche Servicefahrzeuge sowohl mit "grünen" als auch mit Standardreifen fahren lassen. Die Fahrzeuge mit einem Gewicht von rund zwei Tonnen hatten in der Testzeit vergleichbare Einsatzbereiche in Köln und der Umgebung. Fahrer, Ladegewicht und Tankvorgänge waren bei den Fahrzeugen identisch. Über die gesamte Testdauer legten alle sechs Autos zusammen rund 37 000 Kilometer zurück.

In den ersten drei Monaten waren die drei Fahrzeuge der Gruppe 1 auf "grünen Reifen" (Rollwiderstandsklasse B gemäß EU-Reifenlabel) unterwegs, die anderen drei der Gruppe 2 auf Standardreifen (Rollwiderstandsklasse F gemäß EU-Reifenlabel).

In der zweiten Phase wurden die Reifen dann zwischen den Gruppen getauscht. Das Resultat dabei: eine maximale Kraftstoffeinsparung von 6,96 Prozent sowie ein geringerer CO2-Ausstoß von bis zu 155 Kilogramm auf 10 000 Kilometern. Es gab allerdings auch ein Fahrzeug, das nur 0,13 Prozent Sprit sparte. "Die Reifen sind natürlich kein Allheilmittel. Es hilft alles nichts, wenn der Fahrer nicht vernünftig fährt", sagt dazu Axel Vaßen, Reifenspezialist bei der Firma Lanxess.

Der Chemie-Konzern hat unterdessen schon einmal hochgerechnet, was passieren würde, wenn alle rund 450 000 Diesel- und Benzinautos in der Millionenstadt Köln mit "grünen" Reifen unterwegs sein würden.

Laut Lanxess würden in einem solchen Fall pro Jahr rund 19,8 Millionen Liter Kraftstoff und fast 48 000 Tonnen CO2 gespart - bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von ungefähr 14 000 Kilometern pro Fahrzeug.

(NGZ)
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