Großer Wurf zum ÖPNV in Dormagen würde teuer

ÖPNV in Dormagen: 20-Minuten-Takt würde teuer

Aus der Bevölkerung kommen immer wieder Wünsche nach besserer Vertaktung im Öffentlichen Personennahverkehr. Weitere Verbesserungen seien aber eine Kostenfrage, sagt SVGD-Chef Schmitz. Kritik kommt von der SPD.

Doris Wissemann war unangenehm überrascht. Die SPD-Politikerin hatte an der jüngsten Sitzung des Nahverkehrs- und Straßenbauausschusses auf Kreisebene teilgenommen, in der es um die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes des Rhein-Kreises Neuss ging, der auch die Chemiestadt betrifft. Die spielte bei dem Treffen aber kaum eine Rolle. Sechs Anregungen für Dormagen, die aus der Bürgerschaft eingegangen waren, sollen überwiegend nicht weiterverfolgt werden – aus unterschiedlichen Gründen. Gänzlich unverständlich fand Wissemann es aber, dass seitens der Stadt keine einzige Anregung eingebracht worden war. „Das fand ich enttäuschend“, urteilte die Sozialdemokratin.

Sie selbst steuerte zwei Ideen bei: eine bessere Vernetzung des ÖPNV im Dormagener Norden durch optimierte Verknüpfung der örtlichen Stadtbusse mit den Buslinien aus Neuss sowie bessere Verkehrsverbindungen von Dormagen nach Grevenbroich. „Durch die anstehenden Strukturveränderungen der Kreiskrankenhäuser mit größerer Spezialisierung werden in Zukunft bestimmt mehr Patienten aus Dormagen nach Grevenbroich fahren müssen und mehr Grevenbroicher nach Dormagen“, begründet Wissemann ihren vorstoß.

Wie aber ist das Schweigen der Stadt zum Nahverkehrsplan des Kreises zu deuten? Ist der ÖPNV in Dormagen schon so gut, dass es keiner Weiterentwicklung mehr bedarf? Das vielleicht nicht, aber Klaus Schmitz, der Geschäftsführer der Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD), meint dennoch: „Tatsächlich haben wir in Dormagen bereits einen hervorragend ausgebauten ÖPNV und in diesem Bereich schon ein hohes Niveau erreicht.“ Schließlich werde der Fahrplan zweimal im Jahr überprüft und bei Bedarf punktuell verändert, ein Ablauf, den Schmitz mit „Dynamisierung“ umschreibt. Dazu gehörte beispielsweise zuletzt die Einführung einer weiteren Nachtexpresslinie, der NE3.

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Ein Drittel Mehrkosten

Und was ist mit Taktverdichtungen, die aus der Bevölkerung desöfteren gefordert werden? Die Einführung eines 20-Minuten-Taktes anstelle der 30-Minuten-Umläufe würde teuer werden. Schmitz geht von „einem Drittel Mehrkosten“ aus: „Die Politik muss entscheiden, ob die Bereitschaft da ist, diese Kosten zu übernehmen.“ Und der Geschäftsführer gibt zu bedenken: „Als wir vor 21 Jahren mit dem Stadtbus gestartet sind, hatten wir den 20-Minuten-Takt. Aber der hat sich nicht getragen.“ Nicht finanzierbar ist  auch die Anregung, zur besseren Erreichbarkeit von Freizeitzielen den wochentags geltenden Bustakt auch am Wochenende aufrecht zu erhalten.

Ein anderer Wunsch aus der Bürgerschaft wird sich nach und nach vollständig erfüllen. Angeregt worden war die Erhöhung der Stellflächen für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle in den Stadtbussen. Dies werde bei der Neuanschaffung von Bussen berücksichtigt, betonte Schmitz. Allerdings fielen dafür jeweils vier Sitzplätze weg.