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Dormagen: Grosser: Grüne brauchen mehr Profil

Dormagen : Grosser: Grüne brauchen mehr Profil

Die Kolmorgen-Nachfolgerin will in der Koalition stärker Themen besetzen

Ihr Pflichtgefühl war am Ende stärker als alle Bedenken und alle Beschwerden. Heike Grosser hat Verantwortung übernommen, als ein neuer Chef für die Dormagener Grünen gesucht wurde. Mit Ingo Kolmorgen, der seit zwei Jahrzehnten die Geschicke führte, konnte und sollte es nicht mehr weiter gehen. "Wir waren am Ende teilweise nicht mehr handlungsfähig", sagt Grosser. Weil Kolmorgen, offenbar mit erheblichen Problem im privaten Bereich belastet, die Fraktionsarbeit de facto nicht mehr betrieb. "Wir wollten die Wahlperiode mit ihm beenden, sind aber nicht mehr an ihn heran gekommen." Mit der Strafanzeige wegen des Vorwurfs der Unterschlagung von Geld bei der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft hatte dies nichts zu tun, so Grosser. Sie bewertet diesen Vorgang als "menschliche Tragödie".

Letztlich blieb die 72-Jährige als einzige übrig, die den Fraktionssitz übernehmen konnte. "Ich konnte die Fraktion nicht für ein Dreivierteljahr hängen lassen. Daher mache ich es, auch weil mein Mann zugestimmt hat." Die Reaktionen, die sie für ihre Entscheidung bekam, waren positiv, "das hat mir gut getan", sagt sie.

Mit ihr als Fraktionsvorsitzende auf Zeit wollen die Grünen stärker ihr Profil schärfen. "Das ist in der Koalition zuletzt verloren gegangen beziehungsweise war nicht mehr erkennbar", sagt sie selbstkritisch. In einem Gespräch habe sie das zusammen mit dem Parteivorsitzenden Tim Wallraff ("Der beste Vorsitzende, den wir jemals hatten") auch den Koalitionspartnern von CDU und FDP erläutert. Die Grünen werden in der nächsten Zeit die Themen, die man glaubt, bis zur Kommunalwahl im kommenden Frühjahr gemeinsam verabschieden zu können, in die Jamaika-Koalition einbringen. Klar sei, dass man keinen erneuten Doppelhaushalt wolle, sondern nur ein auf ein Jahr begrenztes Finanzwerk; im Blick haben die Grünen die Umsetzung der Inklusion und die Einrichtung eines Seniorenbeirates, "dem nicht Leute angehören, die bereits in zig anderen Einrichtungen tätig sind". Erneut anpacken wollen die Grünen auch eine Baumschutzsatzung für Dormagen. Bei aller inhaltlichen Profilierung – "ich will weiterhin stilvoll mit den anderen Fraktionen umgehen".

Grosser setzt, sagt sie, auf Teamarbeit. "Formal bin ich die Vorsitzende, aber so sehe ich mich gegenüber den anderen nicht." Die anderen sind Klaus Cypa, der in der laufenden Periode Klaus Jochem ablöste, und Norbert Führes, der für Kolmorgen in den Rat nachrücken wird. Im Mai 2014 ist dann nach 20 Jahren Ehrenamt in der Asylarbeit und Kommunalpolitik Schluss. "Ich habe dann viel für die Gesellschaft getan, dann kümmere ich mich um mich und meinen Mann."

(NGZ)