Dormagen: Großbrand bei Ineos

Dormagen : Großbrand bei Ineos

Turmhoch schlugen die Flammen, eine gewaltige Rauchwolke stand über dem Ineos-Werk. Nach einem Leck in einer Ethylen-Pipeline hatte sich das Gas entzündet.

Rund 600 Einsatzkräfte waren im Einsatz, der auch um 22.45 Uhr noch lief. Zwei Menschen kamen ins Krankenhaus.

Dormagen Über Kilometer hinweg ist die schwarze, Richtung Worringen ziehende Rußwolke zu sehen, immer wieder schlagen Flammen hoch in den Himmel.

Viele Dormagener stehen an den Straßen, in der NGZ-Redaktion reißen die besorgten Anfragen nicht ab. Von Hackenbroich aus ist beim Chemiekonzern ein Flammenmeer zu sehen. Bis in die Nacht sind Martinshörner zu hören. Dormagen und Worringen befinden sich im Ausnahmezustand.

"Gegen 14.30 Uhr kam es im Werk zu einer Undichtigkeit an einer Ethylen-Rohrleitung, die von Antwerpen nach Marl führt", informierte Dr. Patrick Giefers, Geschäftsführer von Ineos in Köln, am Nachmittag.

Das hoch entzündliche, süßlich riechende Gas dient als Grundstoff für Kunststoffprodukte, wird unter hohem Druck durch die Leitung transportiert.

Durch Reibung habe sich das Gas entzündet. Dabei blieb es nicht: Das Feuer griff auf einen Tank mit 3000 Kubikmeter Acrylnitril, einem giftigen Stoff mit stechendem Geruch, über.

Doch: "Menschen sind nach derzeitigem Stand zum Glück nicht verletzt oder vermisst", betont Giefers. Später muss das Werk diese Aussage relativieren: Zwei Mitarbeiter eines Supermarktes in Worringen klagten über Unwohlsein, Augen- und Hautreizung, wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Ineos bittet mit Lautsprechern und Sirenen die Bevölkerung in Worringen, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Ein Meer von Blaulichtern ist auf den Zufahrtsstraßen rund ums Werk zu sehen. Ein Krisenstab, dem auch der Dormagener Feuerwehrchef Werner Rieck angehört, tritt zusammen. Die Polizei sperrt Zufahrtstraßen, vor dem Chemiepark-Tor neun fährt die Feuerwehr Köln zwei große Einsatzleitwagen auf.

Währenddessen sind im Umkreis des Werkes rund zehn bis 15 Messwagen unterwegs. "Sie haben keine Schadstoffwerte oberhalb der Nachweisgrenze festgestellt", betont Johannes Feyrer, Einsatzleiter bei der Feuerwehr Köln.

Messfahrzeuge auch aus dem Kreis Düren und dem Rhein-Erft-Kreis rücken an. "Wir haben das zusammen geübt, dies bewährt sich dies im Einsatz." Über dem Rauch schwebt ein Rettungshubschrauber, nimmt ebenfalls Messungen vor.

Acrylnitril ist laut Dr. Ulrich Ochs, Leiter des Medizinischen Dienstes im Chemiepark, ein "giftiges Gas. Doch da es derzeit vollständig verbrennt, macht es uns aus ärztlicher Sicht keine Probleme."

Im Werk kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen. "Es ist ein problematischer Einsatz, aber wir kriegen den Brand in Griff", sagt Dr. Heinz Hagen, Einsatzleiter der Werkfeuerwehr, bei einer Pressekonferenz am Abend.

50 Werkfeuerwehrleute, 100 Kollegen aus Köln und 40 aus Dormagen sind zu diesem Zeitpunkt im Einsatz - es sollen noch mehr werden. "Wir löschen den Pipeline-Brand nicht, lassen das Gas kontrolliert abbrennen - sonst würde Explosionsgefahr bestehen", so Dr. Hagen.

Am späteren Abend war das Gas verbrannt, die Flammen an der Pipeline erloschen. Die Bemühungen konzentrieren sich darauf, den brennenden Tank daneben zu kühlen, dabei hilft auch der neue Turbolöscher mit Nebelschwaden.

Auch weitere Tanks werden gekühlt. Spezialwerfer für Tankbrände von Shell und anderen werden angefordert. Auf dem Rhein geht ein Feuerlöschboot in Position, um Wasser zu pumpen. "Wir brauchen gewaltige Mengen von Wasser, legen Schlauchleitungen vom Rhein ins Werk".

Mit einem großen Schaumteppich sollen die Flammen in der Nacht erstickt werden. Um 23.30 Uhr war das Feuer aber noch nicht gelöscht. Die Ursache des Brandes ist noch unklar, die Polizei ermittelt.

(NGZ)