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Dormagen: Gröhe will Hebammen-Beruf sichern

Dormagen : Gröhe will Hebammen-Beruf sichern

Bei einem Gespräch in einer Dormagener Hebammenpraxis stellte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vier Punkte vor, mit denen er Hebammen unterstützen will, die wegen hoher Haftpflichtprämien um ihre Zukunft bangen.

Die Diskussion um die wirtschaftliche Zukunft der Hebammen wird emotional geführt, das zeigte sich gestern Mittag auch beim Besuch von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in der Hebammenpraxis Dormagen von Petra Kleist in Delrath. "Ich nehme Ihre Sorgen und Verunsicherungen ernst, warne aber vor genereller Panikmache, dass es bald keine Geburtshilfe mehr gäbe", sagte Gröhe angesichts der Probleme rund um hohe Haftpflichtprämien für die Hebammen. Dabei stellte Gröhe den Hebammen und Eltern-Vertretern vier Punkte als Ableitung aus einem Abschlussbericht der interministeriellen Arbeitsgruppe "Versorgung mit Hebammenhilfe" vor, mit denen er eine flächendeckende Geburtshilfe sicherstellen möchte. Nach dem kontroversen, aber konstruktiven Gespräch zeigte sich Petra Kleist, seit 26 Jahren Hebamme, zuversichtlich: "Jetzt bin ich beruhigter, da ich das Gefühl habe, dass etwas für uns getan wird", sagte sie. Ihre Tochter Elena Ortmanns beginnt am 1. Juli ihre Hebammen-Ausbildung.

Ganz zerstreuen konnte der Minister die Ängste nicht, er erhielt aber Lob für seine Diskussionsbereitschaft. Hebammen und Eltern-Vertreter wie Bianca Kasting, die online bundesweit 410 000 Unterstützer für den Erhalt des Hebammenberufs generieren konnte, erkannten den Willen an, sich um vor allem freiberufliche Hebammen zu kümmern, die nicht genug Geburten im Jahr betreuen, um von der Regelung zu profitieren, mit der die Krankenkassen die Hebammen unterstützen. "Durchschnittlich ab der 25. Geburt im Jahr ist der hohe Haftpflichtbeitrag ausgeglichen, danach erwirtschaftet die Hebamme sogar zusätzliches Gehalt für sich", sagte Gröhe. Allerdings müsse Hausgeburt-Hebammen geholfen werden, die weniger Geburten betreuen.

Dafür schlägt Gröhe einen gesetzlich garantierten Sicherstellungszuschlag als Überbrückung vor, so dass auch im ländlichen Raum die Wahlfreiheit erhalten bleibe: "Die Schwangere soll selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind im Krankenhaus oder zu Hause zur Welt bringt." Zurzeit wählen etwa 98 Prozent der Frauen das Krankenhaus. Er hofft, dass bereits zur Erhöhung der Prämie ab 1. Juli 2014 eine Einigung erzielt werden könne. "Aushandeln müssen die genaue Gestaltung und Höhe des Zuschlags aber die Hebammen-Vertretungen und die Krankenkassen", sagte Hermann Gröhe.

Da die Haftpflichtprämien von etwa 600 auf 6000 Euro verzehnfacht werden, besteht Handlungsbedarf. Insgesamt sei der Beruf der Hebamme nach wie vor beliebt, wies Gröhe auf die von 16 000 auf 21 000 gestiegene Anzahl hin.

Allerdings existieren kaum Daten über die Einsatzfelder der Hebammen. "Wir brauchen verlässliche Angaben, dazu auch eine Qualitäts-Sicherung der Geburtshilfe", fordert Gröhe zusätzlich zum Sicherstellungszuschlag weitere zwei Punkte. Der Bundesgesundheitsminister will außerdem einen Regress-Verzicht der Versicherungen erreichen, um Haftpflichtprämien dauerhaft zu senken, ein anderes Modell wäre ein neuer Haftungs-Fonds.

(NGZ)