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Dormagen: Gohrer sollen für Pumpen-Lösung zahlen

Dormagen : Gohrer sollen für Pumpen-Lösung zahlen

"Das Unterdorf darf nicht untergehen" – mit diesem Slogan werben Stadt, Rhein-Kreis und Arche Gohr für das "Kappungsmodell", das Sicherheit vor dem Grundwasser bringen wird. 150 Gohrer müssen den Vertrag unterschreiben.

"Das Unterdorf darf nicht untergehen" — mit diesem Slogan werben Stadt, Rhein-Kreis und Arche Gohr für das "Kappungsmodell", das Sicherheit vor dem Grundwasser bringen wird. 150 Gohrer müssen den Vertrag unterschreiben.

Im Streit um eine Lösung der Grundwasser-Problematik für das Gohrer Unterdorf liegt seit Mittwochabend eine Lösung auf dem Tisch, die von Bürgermeister Peter-Olaf Hofffmann und von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als einzig gangbarer Weg bezeichnet wird: Die Betroffenen — die Rede ist von 250 Grundstückseigentümern — sollen sich finanziell an einem "Kappungsmodell" beteiligen, das für eine Absenkung des Grundwasserspiegels sorgt. Voraussetzung ist, dass sich mindestens 150 Bürger beteiligen.

Sie müssten für die technische Investition und einen zehnjährigen Betrieb 8240 Euro bezahlen. Beteiligen sich alle vom Grundwasser Betroffenen, so sinkt dieser Beitrag auf knapp unter 5000 Euro. Hoffmann sprach von der "Notgemeinschaft der Betroffenen" und appellierte mit Vehemenz "an Ihre Solidarität".

So ruhig ist wohl lange nicht mehr über das emotional stark besetze Thema Grundwasser in Gohr diskutiert worden: Das Landgasthaus platzte am Mittwochabend bei der Bürgerversammlung, die die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Kreis Neuss, dem Erftverband und der Bürgerinitiative Arche Gohr einberufen hatte, aus allen Nähten. Rund zweieinhalb Stunden wurde unter der souveränen Leitung von Reinhard Hauschild als Leiter der "Arbeitsgruppe zum Grundwasseranstieg" das Kappungsmodell vorgestellt und darüber diskutiert.

Zu Beginn verwies Petrauschke auf die Nachbargemeinde Korschenbroich, die noch viel stärker vom Grundwasseranstieg betroffen sei als Gohr und die sich nach zähem Ringen um eine Lösung auch auf dieses Kappungsmodell verständigt hat. Der Landrat brachte zudem das Versprechen mit: "Der Rhein-Kreis wird sich mit 100 000 Euro an den Investitionskosten beteiligen." Die Stadt werde das Modell, ergänzte Hoffmann, mit 200 000 Euro unterstützen.

Für Reinhard Hauschild sollte es der Abend für eine "gemeinschaftliche Lösung" werden, ohne "persönliche und politische Vorgeschichten". Es gehe um "Geld und Gemeinschaft, um Meins und um Deins". Botschaften, die bei der Mehrheit der Gohrer offenbar ankamen. Das zeigte am Ende auch der Beifall für Hoffmann, als dieser sagte: "Sicherheit wird es nur durch die Unterschrift unter den Vertrag geben." Der soll für eine sofortige Wertsteigerung für Grundstücke und Immobilien sorgen. Mit dem Kappungsmodell liegt der Wertverlust nur noch bei acht Prozent, rechnete Grundstücks-Sachverständige Sabine Mosdzien von der Arche Gohr vor.

In einem informativen Flyer hatte die Stadt noch einmal die Ausgangslage skizziert. Die Bebauung im Unterdorf wurde nur möglich, weil der hohe Grundwasserspiegel durch den Braunkohletagebau abgesenkt wurde. Durch die Wanderung des Tagebaus Garzweiler nach Westen nimmt dieser Einfluss ab, der durchschnittliche Grundwasserspiegel wird steigen. Vor allem nach dem Ende, mit dem 2045 gerechnet wird. "Das Grundwasser kommt", sagte Bernd Bucher vom Erftverband, "wann genau, das wissen wir noch nicht". Für 70 Gohrer werde es durch die Pumpen "positive Effekte" geben, so Bucher, "seltener und weniger Grundwasser. Aber sie werden keinen Rundum-Schutz bekommen". Nach Ende der Bürgerversammlung nahmen viele Gohrer den Vertragsentwurf mit. Fünf unterschrieben noch an Ort und Stelle.

(NGZ/rl)