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Dormagen: Gespür für die Natur

Dormagen : Gespür für die Natur

Seit 1990 ist Theo Peters Revierförster im Knechtstedener Wald. Er kennt dort alle Arten der Flora und Fauna und hat keine Berührungsängste – weder bei einer Brennnessel noch einer roten Wegschnecke.

In einer Handvoll fruchtbarer Erde leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde, sagt der Neusser Revierförster Theo Peters. Rund 100 Insekten, 250 000 Fadenwürmer und 125 Millionen Bakterien sind jetzt also laut Bund für Naturschutz in Peters Hand. Es ist Erde aus dem Knechtstedener Wald, "seinem" Wald. Zusammen mit zehn Mitarbeitern pflegt der 54-Jährige den 2300 Hektar großen Wald. Die Erde fühlt sich etwas feucht an. Man spürt die halb verwitterten Blätter. "Frisch" sei das, sagt Peters. Ein Zeichen für einen "gesunden Kreislauf".

Tipps zur Brennnessel

Peters weiß genau, wie sich sein Wald anfühlen muss. Seit 1990 ist er hier Förster, wohnt mit seiner Familie in einem Haus am Waldrand. Mit seinem Jeep macht er eine kleine Tour durch den Chorbusch, um zu zeigen, wie unterschiedlich sich Wald anfühlen kann. Die Brennnessel zum Beispiel. Wer die falsch anfasst, spürt die Brennhaare auf der Haut. Das kennt wohl jedes Kind. Erwachsene sagen dann, es sei gut gegen Rheuma. "Man gewöhnt sich dran", sagt Peters. Er erlebt dieses "Piksen" mehrmals in der Woche. Und das, obwohl er weiß: "Wenn man mit den Brennhaaren streicht, passiert gar nichts. Man kann die Blätter sogar aufrollen und essen."

Angenehm pelzig fühlen sich die Haare auf dem Sauerklee an. Peters freut sich über die Pflanze: "Sie zeigt einen tätigen Boden an", sagt er. Also eine gute Zersetzung. Auf dem Boden sollen schließlich auch weiterhin vitale Bäume stehen. Zu 90 Prozent sind das im Knechtstedener Wald Laubbäume, schätzt Peters. Darunter die Buche mit einer sehr glatten, harten Rinde. "Ohne den Einfluss des Menschen würde die 90 Prozent des Bestandes ausmachen", sagt er. Für die Schweinemast im Mittelalter und als gutes Bauholz wurde aber die Eiche vom Menschen gefördert, sagt er. Deren Rinde fühlt sich ganz rau an, passend zu den gelappten Blättern. Hart fühlt sich die Haut der Eiche trotzdem an. Ganz anders ist das bei einem "Einwanderer", dem Mammutbaum. Peters reißt ein Stück Rinde heraus. Die ist sehr rötlich und weich wie Watte. "Das soll vor Bodenfeuern schützen, die in ihrem trockenen Herkunftsgebiet typisch sind", erklärt Peters.

Er durchforstet im Jahr etwa ein Fünftel des Waldes, fällt Bäume und verkauft sie. "Der Wald hat drei Funktionen", sagt er. Die Nutz-, die Schutz- und die Erholgungsfunktion. Damit das so bleibt, entfernt Peters während der Tour beispielsweise den Auswuchs eines Brombeerstrauches. Dessen harten Stacheln können durchaus wehtun. Genau wie die Nadeln der Sitkafichte aus Nordamerika. Aufgrund der harten Nadeln wird der Baum auch "Stechfichte" genannt.

"Eigentlich sollte sie Nässe besser vertragen als unsere Bäume", sagt Peters. "Aber das stellt sich leider als falsch heraus." Gut verträgt dagegen die rote Wegschnecke die Nässe. Sie hinterlässt einen klebrigen Schleim-Teppich. Auch den fasst Peters an. Íhn stört es nicht, er fühlt sich im Wald mit all seinen Bewohnern heimisch.

(NGZ/ac)