Geschäftsführerin Patricia Mebes zur Krankenhaus-Fusion

Rhein-Kreis Neuss Kliniken : Die Chancen der Krankenhaus-Fusion

Die Geschäftsführerin der Rhein-Kreis Neuss Kliniken spricht über die Zukunft der Kreiskrankenhäuser in Dormagen und Grevenbroich und eine mögliche Fusion mit den Städtischen Kliniken Neuss – dem Lukaskrankenhaus und der Rheintor-Klinik.

Frau Mebes, Sie sind seit Juli 2017 Geschäftsführerin der Rhein-Kreis Neuss Kliniken in Dormagen und Grevenbroich. Wie sind die beiden Kreiskrankenhäuser aufgestellt?

Patricia Mebes, die Geschäftsführerin der Rhein-Kreis Neuss Kliniken in Dormagen und Grevenbroich. Foto: Thomas Wiedenhöfer, Rhein-Kreis Neuss Kliniken

Patricia Mebes Ich bin sehr guter Dinge, dass wir bald den Fokus von den wirtschaftlichen Defiziten wieder ganz auf die Gesundheitsversorgung lenken können. Denn die ist sehr gut in Dormagen und Grevenbroich. Das Geheimnis ist gute Qualität, mit der wir Patienten überzeugen möchten und dank der Expertise unserer Ärzte auch können. Wir wollen den Standard noch weiter verbessern und die medizinische Zertifizierung weiterführen, zum Beispiel in unserem EndoProthetikZentrum sowie dem Endometriosezentrum in Dormagen oder dem Darmkrebszentrum, dem Brustzentrum sowie dem Alterstraumazentrum  in Grevenbroich.

Fachpersonal ist überall gefragt. Bekommen Sie genügend Ärzte und Bewerbungen?

Mebes Es gibt derzeit in der gesamten Branche einen regelrechten Kampf um Ärzte, der schon bei den Medizinstudenten losgeht, die in ihrem Praktischen Jahr, dem letzten Ausbildungsjahr, in die Krankenhäuser gehen. Wir liegen gut zwischen den Unikliniken Köln, Düsseldorf und Aachen, Dormagen ist ja auch Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln, Grevenbroich der Universität Aachen. Da suchen wir qualifizierte Ärzte, vor allem für dynamische Leistungsbereiche wie die Kardiologie. Die angehenden Ärzte können sich die Stellen aussuchen – viele Krankenhäuser buhlen um den einzelnen Arzt. Das wird schwieriger, je höher die Anforderungen an die Qualifikation des Arztes sind.

Gibt es da Mindestanforderungen?

Mebes Die Rettungswagen bringen uns bei Verdacht auf Herzinfarkt die Patienten nur, wenn wir weiterhin 24 Stunden, sieben Tage die Woche qualifiziertes Personal vorhalten. Wir haben hier in Dormagen unglaublich engagierte Kardiologen, suchen aber noch mehr, um die Arbeitsbelastung für den Einzelnen zurückzufahren und damit die Arbeitszufriedenheit zu steigern.

Das ist aber auch eine Kostenfrage. Sie sind Ärztin und Controllerin. Wie meistern Sie den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und gutem Leistungsangebot?

Mebes Ich kenne beide Seiten und Anforderungen, die durchaus gut zusammenpassen: Die Gesundheitsfürsorge sollte immer im Vordergrund stehen. Dabei ist gute Qualität in der Regel auch betriebswirtschaftlich gut. Ich arbeite gern in einem Haus in kommunaler Trägerschaft, hier können wir die Überschüsse wieder in die Häuser investieren und müssen keine Gewinne abführen. Allerdings kann sich auch ein kommunales Krankenhaus auf Dauer keine großen defizitären Bereiche leisten.

Wie sieht das bei der Geburtshilfe aus? Da gibt es vor allem in Grevenbroich Befürchtungen, dass diese Abteilung geschlossen werden muss...

Mebes Das hängt natürlich auch davon ab, wie viele Geburten in den Krankenhäusern stattfinden. Also haben es die Grevenbroicherinnen ein Stück weit selbst in der Hand, indem sie in „ihr“ Krankenhaus gehen und dort ihre Kinder bekommen. Eine eventuelle Schließung der Grevenbroicher Geburtsstation ist keineswegs beschlossen. Und wenn es dazu käme, läge der Grund  nicht allein in mangelnder Wirtschaftlichkeit: Wenn die Auslastung eines Fachbereichs auf Dauer nicht stimmt, geht dort auch Praxiserfahrung und damit Qualität verloren.

Würde das Kreiskrankenhaus St. Elisabeth in Grevenbroich ohne Geburtenstation nicht an emotionaler Bindung zu den Bürgern der Stadt verlieren?

Mebes Da müsste man einen Ersatz schaffen, um das aufzufangen.  Ein Geburtshaus, das von Hebammen geführt wird, wäre eine denkbare Alternative. Für den Eintrag des Geburtsortes oder statistische Auswertungen könnte vielleicht auch der Wohnort der Mutter relevanter werden anstelle der Adresse des Geburts-Krankenhauses.

Wichtig ist für Patienten auch das Klinikessen. Da gab es in den vergangenen Monaten Beschwerden, zum Beispiel über noch gefrorenes Brot. Wie ist da der Stand?

Mebes Ja, die Umstellung auf die neue Großküche hat leider nicht reibungslos geklappt. Wir haben die Fehler abgestellt. Seitdem wir seit Anfang April einen neuen Küchenchef haben, sind die Beschwerden stark zurückgegangen. Es kommt schon viel Lob, auch von den Mitarbeitern, die sich beispielsweise wieder über Pommes freuen. Und unser Küchenchef hat versprochen, dass die Qualität des Essens sich weiterhin Woche für Woche steigern wird. Sein angestrebtes Qualitätsniveau will er um den Jahreswechsel erreichen.

Wie sieht die Lage in der Pflege aus, wo bundesweit zu wenig Personal beklagt wird?

Mebes Da sind wir zum Glück ganz gut aufgestellt. Wenn zum Jahresende Pflegepersonal-Untergrenzen eingeführt werden, stehen wir besser da als manch andere Klinik. Das gelingt uns auch damit, dass wir verstärkt eigenes Personal aus- und fortbilden. Wir haben mit der Neusser Pflegeschule, die wir gemeinsam mit dem Lukaskrankenhaus betreiben, eine gute Voraussetzung, qualifiziertes Pflegepersonal auszubilden und für unsere Häuser zu gewinnen. Dennoch hat sich Arbeitsbelastung gerade in der Pflege in den letzten Jahren stark verdichtet. Das große Engagement der Pflege in beiden Häusern ist bewundernswert, dieser besondere Einsatz ermöglicht es vielen Patienten, den Krankenhausaufenthalt zufrieden zu absolvieren.

Bei der Pflegeschule gibt es schon eine gute Kooperation mit dem Lukaskrankenhaus in Neuss. Sie selbst haben 18 Jahre als Abteilungsleiterin im Controlling des Lukaskrankenhauses gearbeitet, sind jetzt Geschäftsführerin der Kreis-Kliniken. Wie sieht die Vorbereitung einer möglichen Fusion der beiden Kreiskrankenhäuser mit dem Lukaskrankenhaus und der Rheintor-Klinik in Neuss aus?

Mebes Eine Fusion, die medizinisch sinnvoll ist, birgt große Chancen, uns im Dreieck Neuss, Grevenbroich und Dormagen als gemeinsames Haus für die Patienten des Rhein-Kreises zu positionieren. Ich glaube, dass alle drei Häuser – mit der zum „Lukas“ gehörenden Rheintor-Klinik sind es ja sogar vier – durch einen Zusammenschluss die Versorgung qualitativ verbessern können. Wir müssen die Angebote dafür so umstrukturieren, um insgesamt attraktive Standorte in den drei Städten zu erhalten, so dass nicht jeder alles anbietet, aber seine besonderen Schwerpunkte qualitativ hochwertig entwickelt. Für die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH ist die Fusion wirtschaftlich nicht notwendig, aber medizinisch erstrebenswert. In diesem Zusammenhang gilt mein ausdrücklicher Dank Landrat Petrauschke, der sich bereits bei der Gründung unserer GmbH sehr stark für die Rhein-Kreis Neuss Kliniken eingesetzt hat und dies auch bei den anstehenden Verhandlungen für die Fusion tut.

Wie könnte eine Schwerpunktbildung aussehen?

Mebes Es gibt schon ein gutes medizinisches Konzept, das Stadt Neuss und Rhein-Kreis haben erstellen lassen. Noch denken wir alle an 50:50 und Augenhöhe, nach einer Fusion würden wir stärker an das große Ganze denken. Davon profitieren vor allem die Patienten. In Dormagen könnte ein Schwerpunkt die Orthopädie sein, wo schon jetzt auch Neusser zu Professor Saxler kommen. Bei der Gefäßchirurgie mit drei Ärzten in Dormagen und einem in Neuss kann auch der Neusser Kollege in Dormagen operieren. Im Gegenzug kann z.B. die Urologie im „Lukas“, die es in Dormagen und Grevenbroich nicht gibt, ihr Leistungsangebot in die Kreis-Kliniken erweitern. In Grevenbroich sind Brustzentrum und Geriatrie besonders stark. Da gilt es, die Schwerpunkte noch zu verfeinern.

Wann könnte eine Fusion Wirklichkeit werden?

Mebes Da sind die Träger am Zug. 2019 könnte alles auf den Weg gebracht werden und dann rückwirkend zum 1. Januar 2019 in Kraft treten, wenn sich alle einig sind.

Wie haben sich die baulichen Investitionspläne für das Kreiskrankenhaus in Dormagen geändert?

Mebes Die baulichen Maßnahmen in Dormagen sind – völlig unabhängig von einer Fusion – notwendig: Wir wollen eine neue Intensivstation in der bestehenden Baustruktur bauen und in der jetzigen Intensivstation den OP-Bereich erweitern, dazu eine Wahlleistungsstation mit „Hotelkomfort“ für Selbstzahler und Privatpatienten anbieten. Das betrifft aber nur die Unterbringung, es gibt bei uns keine Zwei-Klassen-Medizin. Mit den Bauarbeiten möchten wir gern 2019 starten. Bei der Finanzierung helfen uns Fördergelder des Landes.

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