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Dormagen: Gesamtschule weist 89 Grundschüler ab

Dormagen : Gesamtschule weist 89 Grundschüler ab

Nach dem Anmeldeschluss an der Bertha-von-Suttner-Schule in Nievenheim steht fest, dass 89 Viertklässler abgewiesen werden müssen. Das bestärkt die Politiker, die seit Jahren die Errichtung einer zweiten Gesamtschule fordern.

Am Dienstag war die Anmeldeschlacht geschlagen: 263 Gespräche mit Eltern und deren Viertklässlern mussten an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule geführt werden. Viel zu viele, denn für die Besetzung der sechs Eingangsklassen werden nur 174 Kinder aufgenommen — 29 Schüler pro Klasse. Das heißt im Klartext: 89 Aufnahmewünschen kann Schulleiter Volker Hansen nicht entsprechen. Das kennt der erfahrene Pädagoge schon: "In den vergangenen sechs Jahren haben 691 Kinder keinen Gesamtschulplatz in Dormagen bekommen."

Wer ab Sommer die Schule in Nievenheim besuchen kann und wer sich um eine alternative Schulform kümmern muss, das entscheidet sich jetzt. "Am Montag gehen Zusagen und Ablehnungen per Post an die Eltern", so Hansen. Dieses Prozedere, das mit vielen Enttäuschungen und Tränen verbunden ist, soll bald ein Ende haben — hoffen die Dormagener Sozialdemokraten. "Der Wunsch der Eltern nach der Schulform Gesamtschule ist riesengroß", sagt Birgit Burdag, schulpolitische Sprecherin der SPD. "Sie ist ein Erfolgsmodell. Wir nehmen die Eltern Ernst. Eine zweite Gesamtschule in Dormagen ist richtig." Ihre CDU-Kollegin Anja Wingerath sagt: "Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass es in der Regel Kinder mit Haupt- oder Realschul-Empfehlung waren, die in Nievenheim abgelehnt wurden. Für die wäre die Sekundarschule optimal."

Die aktuellen Zahlen kommen in einer Phase, in der den Eltern der Zweit- und Drittklässler in sechs Informationsveranstaltungen in den Ortsteilen die Schulformen erläutert werden, die sie für das Schuljahr 2014/15 wählen können. Im Kern geht es darum, das Konzept für die neue und bis dato unbekannte Sekundarschule zu erklären und Elternfragen in diese Richtung zu beantworten. Darauf folgt im März eine Fragebogenaktion, bei der diese Eltern die Schulform angeben sollen, die sie voraussichtlich wählen werden. Dieses Ergebnis soll maßgeblich entscheiden, ob dann die neue Sekundarschule oder aber eine zweite Gesamtschule errichtet wird. Kommt es dazu, dann, so befürchten manche, wird ein städtisches Gymnasium in seinem Bestand bedroht. "Das wird sich dann zeigen, wie viele Kinder tatsächlich an einer neuen Gesamtschule in die Oberstufe kommen" ,sagt Burdag. "Die Zahl der Abiturienten wird in den kommenden Jahren steigen." Schulleiter Hansen registriert "seit drei, vier Jahren eine deutliche Zunahme der Bewerbungen von Kindern mit einer Gymnasial- beziehungsweise eingeschränkten Gymnasialempfehlung. Viele Eltern wollen ihrem Kind kein G 8 zumuten."

Burdags Fazit: "Würde auch nur ein Kind an einem Gymnasium abgelehnt, dann wäre das Geschrei groß. Aber bei der Gesamtschule ist es offenbar egal."

(NGZ/ac)