Dormagen: Genau vor 65 Jahren kamen die Amerikaner

Dormagen: Genau vor 65 Jahren kamen die Amerikaner

Vor 65 Jahren rollten amerikanische Panzer über die Kölner Straße. Es war die Befreiung Dormagens von der Nazi-Herrschaft. Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule erinnert heute ab 13 Uhr vor dem historischen Rathaus an dieses Ereignis.

Zwei der maßgeblichen Teilnehmer beim Einmarsch in Dormagen waren First Lieutnant Lew Miller von der Forth Cavalry und Clarence Reno. Miller knüpfe im hohen Alter noch einmal Kontakt nach Deutschland, kam 1998 nach Dormagen. Den Kontakt hergestellt hatte der Dormagener Dokumentarfilmer Egmont Worms. Mittlerweile 93 Jahre alt ist Clarence Reno, der auf Haiti lebt, aber geistig verwirrt ist. Reno war früher einige Male zu Gast beim Dormagener Schützenfest und wurde dort als "Befreier" geehrt und gefeiert.

Lew Miller schilderte 1998 in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule den Einmarsch nach Dormagen. Die US-Streitkräfte hatten sich in Dormagen bis zu ihrer nächsten Angriffswelle erholt. Entspannt allerdings waren die Soldaten nicht. Es hielt sich hartnäckig das Gerücht, in dem Chemiewerk in Dormagen lagerten große Munitionsvorräte. Dieses Gerücht bewahrheitete sich jedoch nicht. Lew Miller: "Die Soldaten hatten nach dem anstrengenden Vormarsch saubere Kleider, warmes Essen und ein sicheres Nachtquartier verdient." Außerdem hielt Miller eine "moralische Auffrischung" für nötig, schilderte er Egmont Worms in einem ausführlichen Briefwechsel.

Miller habe deshalb entgegen der militärischen Order einige literarische Aufführungen organisiert. Die Geschichten stammten übrigens von ihm selbst: Es waren Kriegserzählungen mit Titeln wie "Man to Man". Auf nennenswerten Widerstand war die Forth Cavalry in Dormagen nicht gestoßen, auch das Chemiewerk wurde widerstandslos geräumt. Miller: "Nachdem die Vierte das Gelände um Dormagen gesäubert und gesichert hatte, wurden unsere Truppen von der Front abgezogen." Von Dormagen aus marschierte die Forth Cavalry nach Remagen. Dort wurdeMiller schwer verwundet. Er wurde von fünf Kugeln getroffen, zwei davon im Kopf. Es folgten jahrelange Krankenhausaufenthalte und schwere Behinderungen bis zuletzt.

Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule weiß sich historisch und friedenspädagogisch in der Verantwortung und möchte dafür ein Zeichen setzen. Sie wird mit einer Schülergruppe und stellvertretendem Bürgermeister Hans Sturm an der Gedenktafel Blumen niederlegen. Im Treppenhaus des Rathauses möchten sie auf die dort angebrachte Tafel für die Befreier aufmerksam machen.

(NGZ)