Bedenken wegen der Grundwasserqualität: Gefahren beim Kiesabbau

Bedenken wegen der Grundwasserqualität: Gefahren beim Kiesabbau

Von Chris Stoffels Der Balgheimer See, größter Baggersee im Rhein-Kreis Neuss, kann noch einmal erweitert werden, trotz Bedenken wegen der Grundwasserqualität . Anders beim Goldberger See , um den noch prozessiert wird. Der Balgheimer See, mit 50 Hektar größter Baggersee im Rheinkreis, darf trotz Gefahren für das Grundwasser um weitere 4,4 Hektar Fläche ausgebaggert werden. NGZ-Foto: H. Jazyk

Von Chris Stoffels Der Balgheimer See, größter Baggersee im Rhein-Kreis Neuss, kann noch einmal erweitert werden, trotz Bedenken wegen der Grundwasserqualität . Anders beim Goldberger See , um den noch prozessiert wird. Der Balgheimer See, mit 50 Hektar größter Baggersee im Rheinkreis, darf trotz Gefahren für das Grundwasser um weitere 4,4 Hektar Fläche ausgebaggert werden. NGZ-Foto: H. Jazyk

Der Balgheimer See darf erweitert werden, der Goldberger See nicht. So lauten zwei im Ergebnis unterschiedliche Urteile des Verwaltungsgerichts Düsseldorf. Damit wird der weitere Kiesabbau in der vor Jahrzehnten beschlossenen Konzentrationszone in engen Grenzen genehmigt, weiterem massiven Kiesabbaggern aber ein Riegel vorgeschoben. Insgesamt 4,4 Hektar weiteren Abbau hatte die Rheinkies Nord-West Straberg GmbH für den Balgheimer See beantragt.

Doch der Rhein-Kreis Neuss hatte diese Erweiterung zunächst abgelehnt. Mit gutem Grund: Seitdem große Teile Dormagens vor zwei Jahren als Wasserschutzzone für die Trinkwassergewinnung im Grind ausgewiesen wurden, gilt ein erhöhter Schutz des Grundwassers auch im Dormagener Kies-Viereck. Das legt die Wasserzonen-Schutz-Verordnung fest. Dabei sieht die Bezirksregierung erhebliche Probleme, die Reinheit des Grundwassers zu garantieren, das von den Rheinisch-Bergischen Wasserwerken als Trinkwasser für Düsseldorf und Wuppertal aufbereitet wird.

Durch die Baggerseen können wie durch Löcher Verschmutzungen des Grundwassers eintreten, durch sie besteht ungehinderter Zugang zu den Wasser-Ressourcen. Gerade die kieshaltigen Erdschichten wirken sonst wie Filter. Darüber hinaus wird die Grundwassermenge durch die Verdunstung reduziert. Für die vierte Kammer des Verwaltungsgerichts Düsseldorf kein Hinderungsgrund, dem Rhein-Kreis aufzugeben, den Antrag der Rheinkies positiv zu bescheiden.

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Der Planfestellungsbeschluss wurde vor wenigen Tagen gefasst, die Auskiesung kann beginnen. Der Leiter des Kreis-Umweltamtes, Norbert Clever, kann die Argumentation des Gerichts nachvollziehen: "Die weiteren Abgrabungen fallen bei der bisherigen Fläche nicht ins Gewicht."

Zu dem See mit einer Wasserfläche von 50 Hektar kommt ein Areal von 4,4 Hektar hinzu. Das, so hatten die Verwaltungsrichter geurteilt, könnte die Gefahren nicht verstärken: "Das beantragte Vorhaben hat tatsächlich nicht die typischen mit eines Nassauskiesung verbundenen nachteiligen Auswirkungen auf das Grundwasser".

Auch das dort ausgewiesene Naturschutzgebiet könne die weitere Auskiesung nicht verhindern: "Die Festsetzung des Naturschutzgebietes als solche legt die Ausdehnung des Balgheimer Sees im Bereich der beantragten Flurstücke nicht parzellenschaf fest." Der Naturschutz lasse sich auch mit der weiteren Auskiesung verwirklichen. Der Balgheimer See wird mit Mitteln der Europäischen Union biologisch und geologisch genau untersucht. Ganz anders urteilte das Verwaltungsgericht über die Erweiterung des Goldberger Sees, nur wenige hundert Meter weiter östlich bei Horrem gelegen.

Dort allerdings sollte in großem Stil weiter Kies abgebaut werden. Auch dafür hatte der Kreis einen abschlägigen Bescheid erteilt, gegen den dann Klage erhoben wurde. In diesem Fall folgte die Kammer der Argumentation des Kreises, dass die Gefahr der Grundwasserschädigung bestehen könne und der Grundwasserschutz Vorrang haben müsse. So bestehen dort auch durch die Nähe zu Bahn und Autobahn zusätzliche Gefahren für das Trinkwasser. Das Kies-Unternehmen will dieses Urteil aber nicht hinnehmen: die Sache wird demnächst vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster verhandelt. Von dort wird jetzt grundsätzliche Klarheit erwartet, wie weit der Kiesabbau in Zukunft behandelt wird.

(NGZ)
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