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Kiesreinigung im Nievenheimer See: Gefahr für das Trinkwasser

Kiesreinigung im Nievenheimer See : Gefahr für das Trinkwasser

Teile des Kieses des U-Bahn-Baus in Düsseldorf, die im Nievenheimer See gereinigt werden sollen, sollen mit LCKW und Chrom belastet sein. Die Stadt befürchtet Verunreinigungen des Trinkwassers. Ein Konzept ist in Arbeit.

Straberg Am Donnerstag geht es um alles oder nichts. Um 9 Uhr kommt Wolfgang Müller, Geschäftsführer der Rheinischen Baustoffwerke mit Werk in Straberg, zur Kreisverwaltung nach Grevenbroich. Dort geht es dann um die endgültige Lösung der Kiestransporte von dem U-Bahn-Bau in Düsseldorf zu der Kiesanlage am Nievenheimer See. Und in dieser Sache droht weiter massiver Ärger. Teile des Kieses aus den zukünftigen Bahnhöfen Bilk, Kirchplatz und weiteren Stationen der Wehrhahn-Linie sind mit LCKW (Leichtflüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe) und Chrom belastet — Altlasten von chemischen Reinigungen und einer Galvanisierungs- oder metallverarbeitenden Fabrik, die sich dort früher befanden.

Beide Stoffe gelten nach Angaben von Experten als zellverändernd und sind in einem hohen Maße gesundheitsgefährdend. Das Schlimme bei diesen Verunreinigungen: Der Kiessee, an dem die Schadstoffe ausgewaschen werden sollen, liegt im Bereich der Wasserschutzzone III B für das Wasserwerk Grind, das pikanterweise hunderttausende Düsseldorfer mit Trinkwasser versorgt.

Nach den Querelen um die Kieslaster-Fahrten durch Straberg droht damit neuer Ärger — und diesmal heftiger. Die Stadt Dormagen hatte bereits ihre Ablehnung deutlich formuliert, dass sie keine Behandlung des U-Bahn-Abraums wünsche. Susanne Marenberg, Leiterin des Fachbereichs Planung: "Das ist im Hinblick auf die Altlasten nicht zu verantworten." Den Fahrten der Kieslaster über die Autobahn, mit strengen Auflagen und Strafgeldern bei Verletzung versehen, hat die Stadt vertraglich erst zugestimmt, als alle ihre Bedingungen erfüllt waren (die NGZ berichtete).

Die Entscheidungsgewalt hat jetzt der Rhein-Kreis Neuss. Und dort liegt der Bescheid der Planfeststellungs-Veränderung unterschriftsbereit vor. Bedingung: Es darf kein LCKW und Chrom in den Nievenheimer See gelangen. Wie das ganz genau sichergestellt werden kann, soll am Donnerstagmorgen besprochen werden. Eine Lösung zeichnet sich durch scharfe Kontrollen ab. Reinhold Jung, Pressesprecher des Kreises: "Jede einzelne Lage von drei bis vier Metern beim U-Bahn-Aushub für die Bahnhöfe wird von einem unabhängigen Gutachter untersucht. Die Ergebnisse und Proben werden dann noch bei der Wasserbehörde des Kreises unter die Lupe genommen.

Erst wenn diese unbedenklich sind, kann sich der Kieslaster in Bewegung setzen." Als Bemessungsgrenze zu Grunde gelegt werden laut Jung die so genannten "Geringfügigkeitssschwellenwerte". Erst wenn die Expertise des Fachbüros Dr. Tillmanns und Partner und die Unbedenklichkeit durch die Wasserbehörde erteilt sind, kann der U-Bahn-Aushub am Nievenheimer See gewaschen und weiterverarbeitet werden. Bei dem Gewässer handelt es sich nicht um den Straberger See, an dem die Kreiswerke den Badesee unterhalten. "Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, werden wir genehmigen", so Jung. Wann die Transporte stattfinden, soll auch am Donnerstag erörtert werden.

Verwaltung und Politik reicht das nicht aus. Sie wollen die Kiestransporte und die -verarbeitung am liebsten woanders stattfinden lassen. Das wurde schon im Planungsausschuss vor der Sommerpause deutlich (die NGZ berichtete).

Zur Sache Sicherheit geht vor

(RP)