Galerietheater Dormagen interpretiert „Inselhüpfen“ ganz anders

Theatersommer Dormagen : Galerietheater interpretiert „Inselhüpfen“ einmal ganz anders

Wenn jemand an Inselhüpfen denkt, dann wahrscheinlich an Urlaub, womöglich an karibische Inseln und Inselgruppen, die darauf warten, erkundet zu werden. Damit hat der Aufenthalt der sechs doch ziemlich vom Leben gebeutelten Gestalten in einem heruntergekommenen Cottage auf einer Insel im Norden Schottlands allerdings so gar nichts gemein.

In seinem neuen Stück „Inselhüpfen“ interpretiert der Regisseur, Theaterpädagoge und Autor Stefan Filipiak mit dem Galerietheater Zons diesen positiv besetzten Begriff einmal neu und entlockte dem Publikum schon bei der Premiere in der Theaterscheune Knechtsteden weit mehr als nur kleine Lacher.

Denn in der Tat geben Alfred (Frank Lehmann), der Zahlenkenner, Betsy (Helene Reemann), die Mimose, Artur (Eckhard Schroll) mit dem verirrten Geruchssinn, Henry (Jochen Marsch), der Angler, der sich später als Inspektor im Ruhestand entpuppt, Rachel (Marion Schmitt), die resolute Domina und nicht zuletzt der gefallene Bühnenstar Olivia (Monika Bautze) tragisch-komische Figuren ab, wie sie da versuchen, ihrem Leben ein Ende zu setzen, indem sie den Begriff „Inselhüpfen“ wortwörtlich nehmen und von den Klippen springen wollen. Die Bedingungen, ihrem schmerzerfüllten Leben davonzuspringen, sind auf dem vermeintlich verfluchten „Angus Island“ geradezu perfekt – seit Hunderten von Jahren soll der Geist von Angus, der den Anblick seiner mit einem Boot an den Klippen zerschellenden Geliebten nie verkraftet hat, Nacht für Nacht von den Klippen springen und jeden in seiner Nähe mit in den Tod reißen. Dennoch kommt in dem humorvollen wie tiefgreifenden Stück am Ende niemand ums Leben. Im Gegenteil: Stefan Filipiak hat hier eine „Komödie über die Lust am Leben“ auf die Bühne gebracht, die zum Nachdenken anregt.

Die Inselhüpfer machen alles richtig: Sie erzählen einander ihre Geschichte, berichten von den Beweggründen, die dazu geführt haben, dass ihr Leben nicht mehr lebenswert erscheint. Sie hören einander zu, bestärken sich und machen sich Mut, präsentieren dabei ihre hervorragend ausgearbeiteten Charaktere und bahnen sich jeder auf seine Weise den Weg in die Herzen der Zuschauer. Szenenwechsel. Zu sehen sind die Gilmore-Schwestern Gwen (Kerstin Helbig) und Alex (Susanne Plitzko-Sié). Die beiden haben das Cottage geerbt und sozusagen eine todsichere Geschäftsidee gehabt, durch die sich die Gäste nach ihrem Aufenthalt garantiert nicht beschweren und mit der sie ihre eigene desolate Lage sanieren wollen. Doch leider haben sie die Rechnung ohne die doch lebenswilligen Selbstmordplaner gemacht – und ohne Alfred, der nicht nur gerne angelt, sondern als pensionierter Inspektor einen spannenden Fall wittert, dank dem er nicht mehr zum alten Eisen gehören will. Schnell wird klar: Diese Gäste machen ihren Vermietern nur Ärger. 

Mehr von RP ONLINE