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Dormagen: Funk-Internet vom Juddeturm

Dormagen : Funk-Internet vom Juddeturm

Die Dormagener Firma Lanstream will Zons mit schnellem Internet versorgen. Die dafür notwendige Technik soll im Wahrzeichen der Zollfeste installiert werden. Der Denkmalschutzbeauftragte sieht keine Hindernisse.

Timo Wolter hat Grund zur Freude: Bald wird er zum zweiten Mal Vater. Weniger Freude bereitet dem 31-jährigen Zonser sein Internetanschluss. Mit maximal einem Megabit — eine für heutige Verhältnisse sehr langsame Geschwindigkeit — surft er im Netz. Kein Anbieter könne eine schnellere Verbindung liefern, klagt Wolter, "die Leitungen geben einfach nicht mehr her".

Dabei möchte der Versicherungsangestellte angesichts bevorstehender Vaterfreuden in seinem Haus an der Saarwerdenstraße ein Heimbüro einrichten. Problem: Sein Arbeitgeber verlangt mindestens drei Megabit Internetgeschwindigkeit.

"Heiligabend steht die Leitung"

Die Lösung präsentiert jetzt die Dormagener Firma Lanstream. Mit einer speziellen Funktechnik soll die "Versorgungslücke" (Stadt Dormagen) in Zons geschlossen werden. "Heiligabend steht die Leitung", verspricht Lanstream-Sprecher Gerd Dreßen. "Die Genehmigungen liegen alle vor." Insbesondere ging es um den Denkmalschutz. Denn die Funkanlage soll im Juddeturm installiert werden. Der Denkmalschutzbeauftragte habe grünes Licht gegeben, bestätigt die Stadtverwaltung. Der Vorsitzende des Zonser Heimat- und Verkehrsvereins, Jürgen Waldeck, hat ebenfalls keine Einwände: "Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Technik von außen nicht zu sehen sein wird."

Im Vergleich zu den großen Mobilfunkantennen, die man auf höheren Gebäuden sieht, ist die Lanstream-Technik winzig. Die Empfangsschüssel ist kaum größer als ein Teller, die Sendeantennen ähneln der Form einer 300-Gramm-Schokolade. Angebracht wird das Material in den obersten Turmfenstern. Dreßen: "Die Antennen werden in der Gebäudefarbe lackiert und sind absolut unsichtbar."

Zwei Dutzend potenzielle Kunden hätten bereits Interesse gezeigt, so das Unternehmen, das keine öffentlichen Fördermittel für den Aufbau des Netzes erhält. Für große Anbieter wie die Telekom lohnen Investitionen in Zons offenbar nicht. "Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit und hängt davon ab, wie viele Nutzer man erreicht", sagt ein Sprecher. Alleine die Tiefbau-Kosten für die Verlegung von einem Kilometer Glasfaserkabel (notwendig für schnelles Internet) koste bis zu 70 000 Euro — ohne Subventionen zu viel für die Telekom.

Bedenken wegen gesundheitsgefährdender Strahlung zerstreut Dreßen: "Unsere Technik wird in Krankenhäusern eingesetzt, ist absolut gefahrlos und genehmigungsfrei." Timo Wolter will das neue Angebot "auf jedem Fall" in Anspruch nehmen. Der Ruf nach schnellem Internet werde in seiner Nachbarschaft immer lauter, meint er: "Es gibt hier immer mehr junge Leute. Mit der Leitung, die wir jetzt haben, leben wir noch in der Steinzeit..."

(NGZ/rl)