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Dormagen: Frische Ware vor dem Rathaus

Dormagen : Frische Ware vor dem Rathaus

Kurze Wege zur Ware, gute Beratung und viele bekannte Gesichter: Auf dem Wochenmarkt einzukaufen, ist immer noch etwas Besonderes. Die NGZ stellt die Märkte in Dormagen vor – heute den Wochenmarkt in der City.

Zwei Mal in der Woche reihen sich auf dem Rathausvorplatz und entlang der Kölner Straße die bunten Marktstände. Zwischen den Gemüse- oder Blumenhändlern haben sich Anbieter für Kleidung, Süßigkeiten und Staubsaugerzubehör eingereiht. Durch die festen Läden in der Fußgängerzone profitiert der Markt von Laufkundschaft, aber auch von einem wachsenden Bewusstsein für Lebensmittelqualität. Letzteres merkt derzeit niemand deutlicher als Eierfrau Isabella Braun. "So gut wie jetzt habe ich selten verkauft", sagt sie.

Seit 15 Jahren steht die sympathische junge Frau auf dem Dormagener Wochenmarkt. "Sonst interessiert die Leute nicht, woher die Lebensmittel kommen. Plötzlich wollen sie alles ganz genau wissen." Die meisten Kunden sind Stammkunden, die schon seit Jahren bei ihr einkaufen. Ein freundliches Gespräch und ein buntes hartgekochtes Ei gibt es für jeden Kunden gratis dazu. Die persönliche Ansprache, individuelle Bedienung und frische Ware sind es, was die Kunden auf dem Wochenmarkt zu schätzen wissen. Ein kurzer Plausch am Marktstand ist ebenso wichtig wie der Einkauf. Die Ware wird befühlt und verglichen. Das weiß auch Udo Freibeuter. Gemeinsam mit Sohn Florian verkauft er vor dem Rathaus Gemüse, vorwiegend an Stammkundschaft. "Es gibt Leute, die kaufen fast jede Woche dasselbe", lacht Freibeuter senior. Man kennt sich. Seine Familie verkauft seit 60 Jahren und in vierter Generation ihr Gemüse an gleicher Stelle. Früher stammten die Möhren, Salatköpfe, Zwiebeln und Kartoffeln aus eigenem Anbau. Heute bieten sie nur noch im Sommer Gemüse aus dem eigenen Garten an, etwa Bohnen und Endivien. Das Übrige kaufen sie von benachbarten Bauern zu. Am Stand nebenan sind Tulpen und Blumenzwiebeln derzeit das Hauptgeschäft von Bianca Buschhüter und Thomas Hildebrand. Die Händler aus Viersen verkaufen die Frühjahrsblüher gleich bundweise. "Für Sie suche ich die schönsten heraus", scherzt Hildebrand mit einer Kundin. "Wenn Männer Blumen kaufen, wollen sie meist Rosen", erklärt Bianca Buschhüter. Die ältere Kundschaft fragt schon verstärkt nach Topfpflanzen für die Friedhofsbepflanzung.

Gerade die älteren Menschen schätzen den Wochenmarkt wegen seiner kurzen Wege – hier die Blumen, dort das Gemüse und drei Schritte weiter noch ein Brot und ein Glas Imkerhonig, ausführliche Beratung inklusive. "Bei uns auf dem Markt sind die Leute kritischer als im Laden", erklärt Waltraud Kagel. Sie und ihr Mann Rainer handeln mit Tischwäsche und Gardinenstoffen. Da wird zwischen Deckchen und Tischläufern gewühlt, Muster begutachtet und gefeilscht. Oft bestellen die Kunden maßgefertigte Gardinen oder Tischdecken. "Wir nehmen die Maße auf, zwei Wochen später kann der Kunde die Gardine abholen", so Waltraud Kagel. An gleicher Stelle natürlich – seit Jahrzehnten.

(NGZ)