1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Friedensangebot am Deich

Dormagen : Friedensangebot am Deich

Traditionell lagen sich Deichverband und IG Deich in den Haaren. Nun nähern sich die Parteien an und wollen an einem Strang ziehen. Bald soll die europaweite Ausschreibung für die Planung der Deichsanierung erfolgen.

Meist war der Ton giftig, wenn Deichgräf Eduard Breimann und Wilfried Schellen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Deich, über die Zukunft des Schutzwalls diskutierten. Die IG-Verantwortlichen ärgerten sich über Pfusch am Deich, steigende Mitgliedsbeiträge und stellten die Kompetenz des Deichgräfs in Frage, der wiederum fühlte seine Arbeit nicht ausreichend gewürdigt.

Foto: Jazyk, Hans

Plötzlich scheint alles anders. "Für uns war immer entscheidend, dass die Maßnahmen am Deich transparent sind", sagte Wilfried Schellen gestern. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Deich scheint mit der derzeitigen Informationspolitik des Deichgräfs zufrieden zu sein — "wenn das so weitergeht".

"IG spricht vom Erlebnis Deich"

Die IG, so Schellen, sei nicht abgeneigt, mit Breimann künftig zusammenzuarbeiten und will in den kommenden Tagen sogar das Gespräch mit dem Deichgräf suchen. Die IG versteht sich in dem Prozess als Teil der Öffentlichkeit. In diesen Tagen geht sie gar selbst mit einer Informationsbroschüre in die Offensive. Titel: "Erlebnis Deich —100 000 Besucher je Jahr machen das längste Dormagener Bauwerk zu einem heimlichen Star."

Zwar monieren die IG-Mitglieder den Pfusch am Deich. Auch bleibt eine Forderung, dass alle Einwohner Dormagens für die Deichkosten aufkommen sollen (Schellen: "Wir sind mit den Parteien wegen dieses Themas weiterhin im Gespräch und wollen, dass unsere Regeln an die anderer Kommunen angeglichen und in der Satzung verankert werden"). Doch behandeln einzelne Kapitel auch die Flora und Fauna rund um den Deich und die Rheinauen: von Sommerwurz über Austernfischer bis zur Pfeifente. Dass es die IG-Mitglieder ernst meinen mit ihrem Friedensangebot, wird schon anhand der Literatur- und Quellenhinweise deutlich: darunter steht die Internetadresse des Deichverbands.

Dessen Chef, Eduard Breimann, arbeitet inzwischen an den nächsten Schritten, die für die Deichsanierung notwendig sind. Die Umweltverträglichkeitsstudie liege inzwischen vor. Angefertigt hat sie die Firma L.Plan für 200 000 Euro. "Ich werde am 1. August die Bietereinladungen verschicken", so Breimann. Europaweit ausgeschrieben wird zunächst die Planung für die Deichsanierung. Immerhin schon 1,4 Millionen wird dieser Schritt kosten. Eduard Breimann rechnet damit, dass sich rund 40 Firmen auf die Ausschreibung melden werden, von denen er drei bis fünf in die engere Auswahl nehmen will.

Insgesamt 37 Tage sollen sich Unternehmen auf die Ausschreibung bewerben können. Dann will sich der Deichgräf durch die Aktenordner arbeiten. "Ich rechnet damit, bis Jahresende damit fertig zu sein", sagt er.

(NGZ)