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Freiwilligenarbeit während Corona: So läuft das Ehrenamt in Dormagen

Freiwilligenarbeit in der Pandemie : So läuft das Ehrenamt in Dormagen

Einige Projekte der Freiweilligenagentur in Dormagen wurden stark eingeschränkt, andere fanden in der Pandemie gar nicht statt. Doch es gibt auch Möglichkeiten, Angebote aufrecht zu erhalten.

Dormagen Bürgerschaftliches Engagement ist für ein soziales Miteinander unverzichtbar. Diese These war der Hauptgrund für die Gründung der Freiwilligenagentur Dormagen vor 22 Jahren. Von Beginn an war die Dormagenerin Diplom-Sozialpädagogin Dagmar Drossart die Leiterin. Sie ist zwar seit dem 1. Juni pensioniert, arbeitet aber dennoch ihre Nachfolgerin Barbara Funda ein.

Mit der langjährigen Leiterin hat sich die NGZ über die aktuellen Folgen der Pandemie für die Arbeit von Ehrenamtlern unterhalten. Viele Helfer zogen sich aus den Ehrenämtern zurück, entweder weil sie zur Risikogruppe gehörten, oder weil Einrichtungen wie Alten- und Seniorenheime komplett geschlossen hatten. Die beliebte Veranstaltungsreihe „Dormagen liest“, in die sich die Freiwilligenagentur mit „Vorlesen für alle“ in Kitas, Schulen und Seniorenheimen eingebunden hatte, brach im März vergangenen Jahres komplett weg. Für den Kulturbegleitdienst, ein seit 2005 auch vom Kulturamt der Stadt unterstütztes Projekt, gab es keine Nachfrage mehr. Das Projekt der Lernpaten oder -patinnen für Kinder erfuhr starke Einschränkungen, konnte aber – auch weil sich Gymnasiasten oder Studierende, deren Schulen und Unis geschlossen waren, spontan dafür engagierten – per Videotelefonie aufrecht erhalten werden. Der Schlüssel zu diesem Erfolg: Energien, Engagements und Methoden, etwa bei Einkaufshilfe und Beratung wurden den veränderten Umständen angepasst. So konnte auch das Dormagener Schulranzen-Projekt, seit 2008 erfolgreich, weitergeführt werden. Im vergangenen Jahr wurden 50 Schulranzen für Grundschulkinder weitergegeben. Die Ranzen sind gespendet und werden von Bärbel Jansen und Uschi Magoley mit allem Notwendigen ausgestattet.

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Dafür müssen inzwischen 50 Euro pro Schulranzen bereit gestellt werden, „aber weil das Spendenaufkommen für dieses Projekt gut ist, schaffen wir das“, sagt Dagmar Drossart. Zentrale Hilfe für Jung und Alt blieben auch in der Pandemie die „Helfenden Hände“, vom Diakonischen Werk im Rhein-Kreis Neuss zusammen mit dem Caritasverband und dem städtischen Büro für bürgerschaftliches Engagement gegründet. 45 Ehrenamtler gehören aktuell der Gruppe an, die verschiedenste Aufgaben übernehmen. Das reicht von Fahrradtraining für Schulkinder über Einkaufshilfen bis zum Ausführen von Haustieren. Speziell in der Pandemie kamen Begleitfahrten zum Impfzentrum nach Neuss dazu oder Dagmar Drossart hat Ehrenamtler für Verwaltungsaufgaben in Covid-Testzentren gewinnen können. Vier Engagierte aus der Gruppe der helfenden Hände haben eine Schulung zum „Pflegelotsen“ mitgemacht, ein neues Angebot der Freiwilligenagentur. Sagt sich der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bei Dormagenern an, so helfen die Pflegelotsen bei der Vorbereitung, etwa dem Zusammenstellen notwendiger Papiere, und begleiten auf Wunsch auch den Termin. Auch für die Nachbereitung stehen sie zur Verfügung, etwa wenn Widerspruch angesagt ist. Der wird dann an die Seniorenberatung bei Diakonie oder Caritas weitergeleitet. Die Vermittlung spielt bei den helfenden Händen eine große Rolle: Oft werden Ehrenamtler an bestehende Systeme, Schulen oder Kitas, Vereine und Organisationen vermittelt. Was Dagmar Drossart furchtbar ärgert, sind Anfragen für totale Hilfsarbeiten: „Haben Sie für mich Leute zum Fotokopieren?“ Für die Betreuung der Ehrenamtler, zu denen etwa auch Akademiker und ehemalige Banker gehören, hat sie eine Infopost etabliert sowie ein Austauschforum für Mitarbeiter, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Dieses konnte zuletzt in diesen Zeiten nur online stattfinden.