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Dormagen: "Frauen müssen besser sein"

Dormagen : "Frauen müssen besser sein"

Interview Auf dem blauen NGZ-Sofa nahm Feuerwehr-Chefin Sabine Voss Stellung zur Situation der Feuerwehr in Dormagen und ihrem Weg zur Feuerwehr.

Frau Voss, warum wollten Sie zur Feuerwehr? Haben Sie sich damit einen Kindheitstraum erfüllt?

Sabine Voss Überhaupt nicht. Ich bin durch Zufall zur Feuerwehr gekommen. Ich habe als Jurastudentin bei einem großen Chemiewerk in Leverkusen gejobbt. Dort beobachtete ich diese schönen roten Autos mit Blaulicht. Das hat mich beeindruckt. Daraus ist später eine Werkstudenten-Tätigkeit entstanden und dabei habe ich den Beruf kennen und lieben gelernt.

Welche Vorstellung hatten Sie denn von Ihrer beruflichen Entwicklung?

Voss Ich habe die Tätigkeit als Feuerwehrfrau von der Pike auf gelernt. Ich bin auch ins Feuer gegangen. Meine Ausbildung baute aber darauf auf, nach dem Abschluss der Prüfung im Feuerwehr-Management tätig zu sein.

Welche Eigenschaften muss ein Feuerwehrmann mitbringen?

Voss Fit und gesund. Der Beruf ist körperlich sehr anstrengend. Man muss psychisch stabil sein, weil man ja zu Situationen gerufen wird, in denen Menschen in Not sind.

Sie waren während Ihrer Ausbildung viel unterwegs...

Voss Ich war quasi zweieinhalb Jahre als Wandergesellin auf der Walz. Nach der Grundausbildung in Kassel, dort habe ich sechs Monate auf der Feuerwache gewohnt, ging es nach Offenbach. In Hamburg konnte ich kleine Einsatzleitungen vornehmen, kam dann ins Innenministerium nach Mainz, ging nach Frankfurt und Berlin, ehe ich in Münster am Institut der Feuerwehr meine Assessorenprüfung machte. Das war eine harte Zeit, aber ich zehre noch heute von dem dort aufgebauten Netzwerk.

Wie kamen Sie nach Dormagen?

Voss Über eine Stellenanzeige der Stadt, wo die Leitung der Feuerwache ausgeschrieben war. Ich habe die Beschreibung gelesen und gedacht: das ist meine Stelle.

Was haben die Dormagener zur Bewerbung einer Frau als Chefin gesagt?

Voss Ich habe schon gewusst, dass es nicht alltäglich war, dass sich eine Frau bewirbt. Es brach auch ein großer Medienrummel los. Das hat mich und meine Kollegen am Anfang in der Arbeit behindert.

Hatten Sie das Gefühl gehabt, dass Sie besser sein mussten als männliche Bewerber?

Voss Ja. Das merke ich auch heute noch.

Sie haben 60 hauptamtliche und 270 ehrenamtliche Kollegen in den Zügen in den Ortseilen. Es ist aber keine Berufsfeuerwehr.

Voss Wir sind eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Der Schwerpunkt liegt im Ehrenamt und das Hauptamt hilft bei der Erfüllung der Aufgabe. Bei der Berufsfeuerwehr ist es umgekehrt. Beispiel: Wenn es einen Einsatz in Nievenheim gibt, wird der Löschzug Nievenheim alarmiert und hauptamtliche Kräfte unterstützen.

Wie sieht es mit Nachwuchs aus?

Voss Im hauptamtlichen Bereich sind wir für junge Menschen als Arbeitgeber sehr interessant. Im ehrenamtlichen Bereich haben wir das Problem, dass sich – wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch – immer weniger Menschen ehrenamtlich betätigen.

Wie sehen Arbeitgeber es, wenn Mitarbeiter bei der Freiwilligen Feuerwehr sind?

Voss Das ist ein massives Problem. Die Ehrenamtlichen werden immer seltener freigestellt. Per Gesetz darf ihnen durch die Ausübung eines Ehrenamtes kein Nachteil entstehen, aber die Praxis sieht anders aus.

Zu Dormagen gehört ein großes Chemiewerk...

Voss ...für das wir nicht zuständig sind. Es gibt dort eine eigene Werkfeuerwehr. Wir würden auf Anforderung zur Unterstützung ins Werk fahren.

Muss die nahe Lage des Chemparks die Dormagener beunruhigen?

Voss Nein. Jeder, der in Dormagen lebt, sollte aber wissen, dass er neben einem Chemiewerk wohnt. Wenn ihm das zu gefährlich erscheint, muss er umziehen...

Klaus D. Schumilas fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ)