Dormagen: Festival-Finale weckt Vorfreude

Dormagen : Festival-Finale weckt Vorfreude

Mit Bachs h-moll-Messe begann das Festival-Programm, mit "Bach in Köthen" endete Samstagabend die grandiose Konzertwoche. Einmal mehr gelang Hermann Max der Spagat zwischen hohem Anspruch und einladender Geste.

Es war das 20. Festival Alte Musik in Knechtsteden. Und es war ein würdiges Jubiläum – aus vielerlei Gründen. Beinahe gewöhnt hat man sich an das überragende Niveau des Festivals, bei dem Hermann Max als künstlerischer Leiter und Martin Kahl als Geschäftsführer einmal mehr Weltstars der Klassikwelt in die Provinz lockten.

Und zusammen mit dem Rhein-Kreis, der Stadt Dormagen, den Musikschulen und den Fördervereinen der Dormagener Schulen wichtige Weichen stellten, um das Festival zu öffnen.

Der Abschluss am Samstagabend war ein krönender. Dem frühherbstlichen Sonnentag entsprechend erklang zum Abschluss des "Festivals Alte Musik Knechtsteden" in der wieder beachtlich gut besuchten Basilika ein barockes Programm ohne jede Erdenschwere.

Nach der einleitenden anmutigen "Overtura" des Bach-Schülers Carl Friedrich Abel präsentierte Hermann Max zwei weltliche Kantaten aus Johann Sebastians Zeit am Hof des kunstsinnigen Fürsten Leopold in Köthen: "Die Zeit, die Tag und Jahre macht" zum Neujahrsfest (BWV 134a) und die Huldigungskantate "Durchlaucht'ster Leopold (BWV 173a).

Bei ersterer duettieren die "Zeit" Immo Schröder, Tenor) und die "Göttliche Vorsehung" (Franz Vitzthum, Altus). Die beiden bestens disponierten Sänger wurden begleitet von einer Auswahl der Instrumentalisten des Festival-Orchesters "Das Kleine Konzert", von zwei Oboen, Streichern und Basso continuo.

Da die Sänger ihre Noten auf Pulte legen konnten, war es ihnen, wie vom Dirigenten erbeten, möglich, mit sparsamer Gestik ihren Gesang zu einer "Klangrede" und damit noch eindringlicher zu machen. Das gelang ebenso überzeugend der Sopranistin Veronika Winter und dem Bass Matthias Vieweg in der Huldigungskantate – hier sekundierten statt der Oboen Traversflöten und zusätzlich ein Fagott.

In dieser Kantate war es Bach gelungen, die Defizite der Texte eines unbekannten Dichters durch Anlehnung an höfische Tänze wie Bourrée, Gigue und Menuett geschickt zu kaschieren. Winter und Vieweg – beide mit makellosen Leistungen – hatten Freude daran, diese beschwingte Musik zu einem Hörgenuss werden zu lassen.

Solovioline und zwei Blockflöten sind die tragenden Stimmen im 4. "Brandenburgischen Konzert". Unterstützt von kompetentem Begleitinstrumentarium, erwiesen sich die Blockflötistinnen Carin van Heerden und Kristin Linde, vor allem aber die Geigerin Ulla Bundies als ganz ausgezeichnete, bei aller Virtuosität vor allem musikantisch agierende Solistinnen.

Sie verliehen dem eingängigen Werk jene schwebende Leichtigkeit, die das Zuhören zum reinen Vergnügen machte. Das Publikum war restlos begeistert und freut sich – das war allenthalben zu hören – schon auf das Festival im nächsten Jahr.

(NGZ)
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